Dienstag, 3. Februar 2015

929 פרק לג Genesis Kapitel 33

Aus den Ausfuehrungen zum Text von Rav Benni Lau (hier 929 zum Hoeren und Lesen)

Einladung zum Liebestanz

Im Kapitel 33 verbirgt sich eines der seltenen literatischen Phaenomene der Schrift. Ueber einem bestimmten Wort finden wir einige Punkte. Dieses Phaenomen, genannt "nekud alaw" (נקוד עליו) dt. Punktierung darueber", befindet sich an zehn verschiedenen Stellen der Schrift, einer davon in unserem Kapitel (33.4)
וַיָּרָץ עֵשָׂו לִקְרָאתוֹ וַיְחַבְּקֵהוּ וַיִּפֹּל עַל צַוָּארָו וַיִּשָּׁקֵהוּ וַיִּבְכּוּ:
Ueber dem Wort
וַיִּשָּׁקֵהוּ
befinden sich in der Tora 6 Punkte. 
Zur Veranschaulichung, wie das aussieht, hier eine Darstellung:
Das punktierte Wort ist das Herz des Dramas, was sich zwischen dem Wiedersehen der Brueder Jakob und Esau abspielt, nach ganzen 20 Jahren Trennung. Alle Kapitel vor unserem Kapitel und vor diesem Wort beschreiben die Vorbereitungen, die Jakob trifft, angesichts des Wiedersehens mit Esau. 
Und dann - der entscheidende Moment. Sie naehern sich langsam einander. Jakob verneigt sich, aber Esau rennt auf ihn zu, umarmt und kuesst ihn erleichtert. Alle Spannung, die sich angesammelt hatte, entlaedt sich in einem gemeinsamen Weinen der beiden Zwillinge die sich immer wieder umarmen. 
Aber unsere Weisen zu Zeiten der Mishna betrachten die Punkte ueber dem Wort und verstehen, dass diese Punkte den Leser dazu einladen zu erneuter Betrachtung, nicht in der einfachen Bedeutung (dem Pshat) 
וַיִּשָּׁקֵהוּ
In der Tora sind die Buchstaben des Wortes "vajishakehu" mit einem Punkt ueber jedem Buchstaben geschrieben. (nikkud alaw). Das soll dich lehren, dass Esau seinen Bruder Jakob nicht aus vollem Herzen umarmte. Rabbi Shimon Bar Jochai lehrt uns, es sei bekannt, dass Esau seinen Bruder hasst, aber in diesem Augenblick der Umarmung wurde sein Hass in Barmherzigkeit gewandelt und daher kuesste er mit seinem ganzen Herzen.
 Zwei Standpunkte finden wir hier. Der allererste Standpunkt stellt die erneute Verbindung der beiden Brueder komplett in Frage. Esau ist gemaess dieses Standpunktes ein Betrueger und sein Kuss ist ein falscher Kuss. Gegenueber diesem sehr pessimistischen Standpunkt sagt Rabbi Shimon Bar Jochai dass "bekannt ist, dass Esau den Jakob hasst, aber dass ausgerechnet in diesem Moment aus den o.a. Gruenden ausnahmsweise sein Kuss aufrichtig war. 
In diesem Punkte gibt es einen "Streit" der Tannaim (der Toragelehrten, Tora-auslegenden) aber in dem Punkt, dass Esau Jakob hasst, gibt es keine Widersprueche. 
Es ist auch klar, dass unsere Weisen nicht nur ueber den Esau und den Jakob in der Tora sprechen, sondern in der Hauptsache ueber Esau und Jakob als Symbol fuer Gojm (Nichtjuden) und Juden. 
So wurden die Dinge ueber Generationen wahrgenommen. 
Der Hass der Nichtjuden gegenuber Juden ist eine feststehende Tatsache, die sich wohl nicht aendern wird. 
Diese pessimistische Betrachtung wurde zur Tatsache, deren Heftigkeit eine feststehende Groesse ist, im Midrash "halacha" genannt.
Talmudforscher haben gegen die Gueltigkeit dieser "halacha" Einspruch erhoben, und zwar aufgrund einer philologischen Pruefung der Version des Midrash. 
In der Tat ist ihre Entdeckung ziemlich beeindruckend. 
In keiner der fruehesten (handschriftlichen) Quellen der Halacha kommt in diesem Zusammenhang das Wort "Halacha" vor. 
Stattdessen steht dor folgendes:
'והלא בידוע שעשו שונא ליעקב'
(und ist es nicht bekannt, dass Esau den Jakob hasst...)
Wie hat sich also das Wort "Halacha" in den Text eingeschlichen?
Es ist ganz offensichtlich, dass es sich um eine einfache "graphische" Verwirrung handelt.  Das Wort  
והלא
kann man als Abkuerzung auch mit Apostroph schreiben
"והל'"
von da aus fehlt nicht mehr viel, dass ein eifriger Schreiber הלכה abschreibt.
Eine nette Anmerkung, aber um ehrlich zu sein, ist es im Grunde unerheblich. 
Den Ausdruck
הלכה בידוע שעשו שונא ליעקב
(Es ist Halacha dass bekannt ist, dass Esau den Jakob hasst.) wird man wohl auch nicht aufgrund des Einspruches von Sprachforschern herausnehmen koennen. 
Die Realitaet des Hasses auf das Volk Israel bestaerkt das pessimistische Bewusstsein. Es braeuchte viel Optimismus, zu glauben, dass Esau den Jakob zu einem "Liebestanz" einlaedt hier. 

Der Text:

1-16 Und Jakob hob seine Augen auf und sah: und siehe, Esau kam und mit ihm 400 Mann. Und er verteilte die Kinder auf Lea und Rahel und die beiden Mägde; und er stellte die Mägde und ihre Kinder vornan, und Lea und ihre Kinder dahinter, und Rahel und Joseph zuletzt. Er aber ging vor ihnen her und beugte sich siebenmal zur Erde nieder, bis er nahe zu seinem Bruder kam. Und Esau lief ihm entgegen und umarmte ihn und fiel ihm um den Hals und küßte ihn; und sie weinten. Und er hob seine Augen auf und sah die Weiber und die Kinder und sprach: Wer sind diese bei dir? Und er sprach: Die Kinder, die GOTT deinem Knechte beschert hat. Und die Mägde traten herzu, sie und ihre Kinder, und verneigten sich. Und auch Lea trat herzu und ihre Kinder, und sie verneigten sich. Und danach traten Joseph und Rahel herzu und verneigten sich. Und er sprach: Was willst du mit diesem ganzen Zug, dem ich begegnet bin? Und er sprach: Dass ich Gnade fände in den Augen meines Herrn. Da sprach Esau: Ich habe genug, mein Bruder, es sei dein, was du Hast. Und Jakob sprach: Nicht doch; wenn ich anders Gnade gefunden habe in deinen Augen, so nimm mein Geschenk von meiner Hand, da ich nun einmal dein Angesicht gesehen habe, als hätte ich GOTTES Angesicht gesehen, und du Wohlgefallen an mir gehabt hast. Nimm doch mein Geschenk, dass dir überbracht worden ist; denn GOTT hat es mir beschert, und ich habe alles. Und er drang in ihn, und er nahm es. Und Esau sprach: Laß uns aufbrechen und weiterziehen, und ich will vor dir herziehen. Und er sprach zu ihm: Mein Herr weiß, dass die Kinder zart sind, und da ich säugende Schafe und Kühe bei mir habe; wenn man sie nur einen Tag übertriebe, so würde die ganze Herde sterben. Mein Herr ziehe doch vor seinem Knechte hin, und ich will einherziehen nach meiner Gemächlichkeit, nach dem Gange des Viehes, das vor mir ist, und nach dem Gange der Kinder, bis ich zu meinem Herrn komme, nach Seir. Und Esau sprach: Ich will doch von dem Volke bei dir zurücklassen, das bei mir ist. Und er sprach: Wozu das? Möchte ich Gnade finden in den Augen meines Herrn! Und Esau kehrte an selbigem Tage seines Weges zurück nach Seir.
17-20 Und Jakob brach auf nach Sukkoth und baute sich ein Haus; und seinem Vieh machte er Hütten; darum gab er dem Orte den Namen Sukkoth. Und Jakob kam wohlbehalten nach der Stadt Sichem, die im Lande Kanaan ist, als er aus Paddan-Aram kam, und lagerte vor der Stadt. Und er kaufte das Stück Feld, wo er sein Zelt aufgeschlagen hatte, von der Hand der Söhne Hemors, des Vaters Sichems, um 100 Kesita. Und er richtete daselbst einen Altar auf und nannte ihn; GOTT, der GOTT Israels.

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