Samstag, 21. Februar 2015

Winterwochenende bei Esti

Drei Tage "Urlaub" bei meinen besten Freunden nur ein paar Strassen weiter haben mir gut getan. Die Heizung bullerte und wir hatten nur ein paar Stunden Stromausfall, kurz vor Shabbat. 
Ich hatte "mein" Zimmer und war nur gestern abend in der Synagoge (ein wenig abenteuerlich, der Weg dorthin, denn alles war sehr rutschig und eisig), ansonsten habe ich mich nicht vor die Tuer begeben. 
Der Vorteil bei diesen Freunden: Ich muss mich fuer nichts rechtfertigen, werde "in Ruhe" gelassen wenn ich will und habe Gesellschaft nach Beduerfnis. 
Am Shabbat merke ich immer, wie anstrengend die Woche war, denn am Shabbat-tisch Freitag-abend halte ich nicht so sehr lange durch. Gestern waren G-tt sei dank nur ein Ehepaar und der Enkel von Esti mit Ehefrau eingeladen, so dass es ein entspannter Shabbat war. 
Um etwa halb zehn war aber fuer mich innerlich Schluss. Gut, dass Shir haMaalot dann das Ende der Shabbatmahlzeit einlaeutete und ich ins Bett konnte. 
Die Nacht war kalt und draussen donnerte es die ganze Nacht ueber heftig. Grelle Blitze und Hagel - alles wurde aufgeboten.
Am Morgen bin ich dann laenger liegengeblieben habe viel gelesen und als Roni und Esti aus der Synagoge kamen, haben wir einen kleinen Kiddush gemacht und etwas gelernt ueber die Parasha. 
Anschliessend im sehr kleinen Rahmen gegessen. 
Wieder ausruhen und lesen, schlafen und lesen... 
So bin ich jetzt gerade recht erholt zuhause eingetrudelt und freue mich jetzt wieder auf mein eigenes Bett.
Ich wuensche allen Lesern in Deutschland einen schoenen gemuetlichen Sonntag und allen in Israel Shavua tov, eine gite Woch´!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke für deinen Wunsch dass wir einen gemuetlichen Sonntag haben.

Flamingo hat gesagt…

Stimmt das eigentlich dass es für Männer ein "Synagogenpflicht" gibt und für Frauen keine "Synagogenpflicht" besteht?

NOA hat gesagt…

Der mann hat die pflicht zu beten dreimal am tag. Die frau nicht. Es ist schoen wenn sie es tut aber keine pflicht. Eine frau hat sehr viel mit der kindererziehung/versorgung zu tun u selbst wenn sie keine kinder zu versorgen kann isy sie von geboten die an zeiten gebunden sind befreit. Der mann sollte im "minjan" (10 maenner bilden einen minjan) beten daher in d synagoge gehen aber er kann auch zu hause tefillin legen u beten. Z.b. wer frueh zur arbeit muss usw...

Fritzi hat gesagt…

beim gebet gibt es verschiedene levels des ausfuehrens:

1. basis = jeder mann (ab 13 und kinder ab dem zeitpunkt wo sie verstehen) hat die obligation 3 gebete zu beten (shabbat&feiertag 4 gebete, yom kippr 5 gebete)

2. diese gebete irgendwo in einem minjan (10 maenner (ab 13 jahre)

3. 10 mann in einem platz wo eine tora rolle vorhanden ist

4. 10 mann gebet in einer synagoge (bestimmter platz der fuer das gebet bestimmt wurde) mit tora rolle

da montags, donnerstags, shabbat und feiertage (und auch fasttage) ein teil des gebets eine vorlesung aus der torah gemacht wird sollte man(n) in mindestens einem platz befinden wo sich 10 maenner und eine torarolle befinden.

sollte man(N) aber genau zu diesem zeitpunkt wegen einer anderen mizwa verhindert sein die sich nicht aufschieben laesst (beispiel: in mitten eines lebens rettenden vorgang fuer sanitaeter oder aerzte, ein soldat der gerade auf wache ist, ein trauender ersten grades dem gerade jemand gestorben ist und der verstorbene noch nicht begraben wurde, ...) ist von der gebetspflicht zu diesem zeitpunkt befreit.

kinder unter verstaendnissalter haben keine pflicht aber man muss sie lehren und daran gewoehnen zu beten Pflicht des lehrens fuer die eltern).

frauen muessen genauso beten sind aber von zeitgebundenen geboten befreit. koennen aber wenn sie wollen freiwillig all diese gebote einhalten.

NOA hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
NOA hat gesagt…

Danke fritzi, wunderbar ausfuehrlich!

Flamingo hat gesagt…

Wow. Klingt ja sehr kompliziert. Aber vielleicht ist das mit der Zeit auch gar nicht mehr wenn es mal in "Fleisch und Blut" übergegangen ist. Es kommt mir aber so vor als hättem Männer viel mehr Verpflichtungen. Ich frag mich nur wie man es schafft das und vieles andere geforderte in Deutschland zu verwirklichen und mit der Arbeit zu vereinen.

NOA hat gesagt…

man darf sich nicht verrueckt machen.
1. Maenner haben andere Verpflchtungen als Frauen, in punkto Mizwot die an Zeit gebunden sind haben Maenner sicher mehr.
Man darf am Anfang nicht den "Fehler" machen, und versuchen, gleich ALLES umzusetzen. Das geht nicht und macht einen total verwirrt.
Ich bekam damals als ich den Giurprozess begann, den guten Rat, doch erst einmal ein oder zwei Sachen umzusetzen, und das fuer eine Zeitlang, ohne gleich mehr und mehr hinzuzufuegen
z.B.: Ich habe anfangs erst einmal in punkto kashrut das Schweinefleisch weggelassen, (was ich vorher gegessen hatte) und versucht, fleischig und milchig zu trennen. Mir ein paar Teller und Geschirr zu kaufen, die ich noch nicht gekashert habe, aber mit denen ich "geuebt" habe. Ich hatte rote Teller fuer fleischig, gelbe fuer milchig. und so habe ich probiert, dann auch 2 Spuelschuesseln sowie spuelschwaemme getrennt zu benutzen, bei einer fleischigen Mahlzeit die eine Spuelschuessel, die ich dann nur fuer fleischig benutzte, fuer eine milchige Mahlzeit, die andere und den anderen spuelschwamm.
gleichzeitig habe ich erstmal versucht, jeden Freitag zu Zeiten des Kerzenzuendens zwei Kerzen zu zuenden und die Bracha zu sprechen.
Das wars erstmal. Und das eine Zeitlang ausprobieren.
Danach ganz langsam ein oder zwei dinge hinzufuegen, z.B das "Mode (moda) ani" morgens sprechen, oder das "Shma" lernen, zumindest den ersten Abschnitt.
aber wirklich sehr langsam, nach und nach.
Das Wichtgste jedoch - wie ich finde - ist der Kontakt zur Gemeinde, eine Synagoge finden, wo man sich wohl fuehlt mit dem Gebet und dem Rabbiner.
Dann erstmal probieren, jeden Freitag abend (leil Shabbat) hinzugehen, ein paar Kontakte zu knuepfen udn alles auf sich wirken lassen.
Viele schreiben mir, die z.B. ein Jahr lang nach Buch vorgehen und fuer sich allein zuhause Dinge umsetzen. Sie haben nie kontakt zur Synagoge geknuepft, nie an einem G-ttesdienst teilgenommen. ich halte das fuer die nicht richtige Reihenfolge. Und das Judentum lebt auch von der GEmeinschaft, auch wenn diese sich in Deutschland sicher von der in Israel unterscheidet.
Also - ein Giur ist kein Vollzeitjob, das sage ich immer wieder wenn ich hoere: "kann man denn Giur machen und dabei arbeiten gehen?"
Nicht uebertreiben, wir muessen uns alle ernaehren und fuer unser Leben Geld verdienen, bis auf ein paar wenige Menschen, die reich sind.
Daher - auf dem Boden bleiben, mit kleinen Dingen anfangen, und den kontakt zu Rabbiner und Synagoge herstellen - dann ist schon SEHR viel gewonnen udn begonnen
Viel Erfolg und vor allem: viel Freude!!!!!! denn ohne Freude hat das alles keinen Sinn. Wer verkniffen seine Gebote akribisch umsetzt, der wird den Geschmack des Judentums nicht kosten....
Ein grosses Gebot ist - die Freude an allem.
Wenn sie nicht entsteht - lieber einen Schritt zuruecktreten und weniger machen.
Noa

Flamingo hat gesagt…

Also noch möchte ich ja gar nicht konvertieren. Vielleicht auch überhaupt nicht. Das braucht Zeit. Vielleicht sollte ich wirklich mal mit jemanden in kontakt treten. Verkniffen bin ich nicht. Nur ich lese halt viel darüber und was man liest kommt so rüber als sei halt alles sehr kompliziert und würde die Freizeit schon sehr stark bestimmen und einengen. Hat man da denn noch Zeit für Dinge aus dem bisherigen Leben davor? Ich hab z.B. gerne mal ein Computerspiel gespielt oder so was. Gruß Flamingo

Flamingo hat gesagt…

Nachtrag: Fällt eigentlich bei einem Vegetarier wie mir die " Pflicht" eine doppelte Ausführung an Tellern,Spühlschwämmen Besteck usw. zu haben weg? Müsste doch eigentlich so sein da ich ja nicht mehr fleischiges von milchigem trennen muss.
Gruß Flamingo

NOA hat gesagt…

Ja du kannst noch "weltliche" dinge tun und hobbies nachgehen usw. Und wirst nicht komplett vergeistigt sein. Es isf am anfang einfach alles ein bisschen viel. Aber vielleicht fragst du dich mal warum du dir das "ueberhaupt antun" willst? Leichter ist das leben sicherlich nicht wenn du mitzwot haeltst.
Nochwas: falls du einen veganen haushalt hast gut und schoen. Aber hast du auch NUR gaeste die vegetarier sind? In jedem falle muesstest du das geschirr kashern was du neu kaufst.
Aber ich wuerdd mich jetzt an deiner stelle nicht in einzelheiten verzetteln sondern klaere mit dir selbst erst mal d frage : wieso will ich das?
Du kannst ja auch als nichtjude ein gutes leben fuehren u ein guter mensch sein. Z.b. die 7 noachidischen gesetze halten.

Flamingo hat gesagt…

Das stimmt. die 7 noachidischen gesetze halten reicht. Warum ich das will die Frage stelle ich mir häufig. Hab keine Antwort gefunden bis jetzt.

Vielleicht weil ich oft nach dem Motto entweder ganz oder garn nicht vorgehe? Oder weil mir das Christsein nichts mehr gibt und ich
allgemein an Gott glaube und nur an einen.

Flamingo hat gesagt…

Nachtrag: Ich gebe meine Kommentare zu früh ab. :-) Also an die 7 noachidischen Gesetze versuche ich mich schon zu halten. Bei mir hat gerade das Verbot von Brutalität gegen Tiere einen hohen Stellenwert. Jetzt unabhängig ob ich einer "Religion" gefolgt bin.

Flamingo hat gesagt…

Wie hab ich das richtig verstanden? Man kann auch zuHause Telfin anlegen und beten wenn man früh zur Arbeit muss? Aber ich dachte 10 Männer wären die Vorraussetzung dafür dass man es überhaupt kann.

NOA hat gesagt…

10 Maenner - ein Minjan - sind noetig um bestimmte Teile des Gebetes zu beten. Z.B. das Kaddish kann man nicht allein sprechen, sowie das "Barchu".
ansonsten sicher kann man auch allein zuhause beten. Ich kenne einige Maenner, die in Deutschland zu weit weg wohnen von einer Synagoge, um jeden Tag dorthin zu laufen vor der Arbeit. (ideal ist es natuerlich immer, direkt in unmittelbarer umgebung zu wohnen, aber auch dann kommt nicht immer ein Minjan zustanden. In deutschland sind die Synagogen in der Woche recht leer. Also kann es passieren, dass man sowieso bestimmte Teile nicht beten kann.

NOA hat gesagt…

Am besten du kaufst dir ein Buch, das heisst "juedisches gebet heute", von Donin. Es ist sehr gut und wird von Rabbinern empfohlen um den G-ttesdienst zu verstehen.
Kann sein dass man es nur noch 2. Hand bekommt.
(sowie als Erstlektuere mein Rabbiner mir empfohlen hat "Wie Juden leben" von rav Israel Meir Lau. (als Grundstock sehr gut)
http://literaturhandlung.com/product_info.php?products_id=2132

Flamingo hat gesagt…

Das werde ich machen. Das Buch jüdisches Gebet heute besorg ich mir. Du wirst es nicht glauben aber das Buch wie Juden leben hab ich mir schon bei Amazon bestellt. Das lese ich gerade sehr interessiert.

Das heißtwohl in Deutschland muss man kompromisse eingehen. Verstehe ich es richtig die Synagogen sollten nicht leer sein unter der Woche und ein Minjan sollte nach Möglichkeit zustande kommen aber was bei uns nicht geht, geht eben nicht da Deutschland nicht Israel ist?

Danke nochmals für deine immer sehr ausführlichen und hilfreichen Antworten.

NOA hat gesagt…

Wenn du das Buch "Wie Juden leben" sehr intensiv liest, dann weisst du schon sehr viel. Ich finde es fuer den Anfang SEHR ausfuehrlich.
Ja, Deutschland heisst Kompromisse.. die Frage ist immer, wo man seine eigene Grenze ziehen moechte, (die sich durchaus ueber die Jahre aendern kann).
Noa

Flamingo hat gesagt…

Also ich für mein Teil würde halt da Kompromisse ziehen wo es nicht anders geht. Z.B. Unter der Woche in eine Synagoge gehen würde aus verschiedenen Gründen einfach nicht funktionieren.