Mittwoch, 11. März 2015

Reifenwechsel

Es war mir von der Werkstatt, die mein Auto vor dem Kauf ueberpruefte, geraten worden, die zwei hinteren Reifen moeglichst schnell auszuwechseln. 
A. riet mir zu einer Reifenwerkstatt in der Naehe der Jirmiahu str.in Romema. 
Nach der Arbeit sprang ich ins Auto und aktivierte meine waze-app (Navi fuer smartphones) und so steht es in Wikipedia (Ursprünglich von dem israelischen Start-Up Waze Mobile entwickelt, ging das Unternehmen im Jahr 2013 in den Besitz von Google über.)
HIER mehr zu Waze und was es kann und HIER die waze-website
Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich ueber diese Erfindung bin. Ohne waze waere ich heute hoffnungslos in unserer voellig verstopften Stadt verloren gegangen. Da ich  bisher nur Bus fuhr, kenne ich noch nicht die Einbahnstrassen, und selbst wenn - waze zeigt einem Wege, auf die man gar nicht kommt, um ans Ziel zu kommen. 
Schneller als ich dachte, kam ich an, bei "Reifen Gulian". Alon, der Besitzer nannte mir den Preis fuer zwei Reifen und meinte, ich koenne gleich da bleiben. 
Alon ist ein lustiger Typ, interessierte sich gleich dafuer, woher ich komme und wie es mich nach Israel verschlagen hat. Waehrend ich wartete musste ich etwas schmunzeln. Alle Charedim der Stadt schienen zu ihm zum Reifenwechsel zu kommen. Und er - der voellig unreligioese Mann - schien sehr guten Kontakt zu ihnen zu zu haben. 
Als es dann ans Bezahlen ging, sagte Alon: "Nee, also zweimal nehme ich kein Geld." 
"Wieso zweimal?" frage ich erstaunt. 
"Na, es hat schon jemand fuer dich bezahlt."
Ich musste lachen, zueckte mein Portmonnaie und Alon schaute mich kopfschuettelnd an: "Kein Scherz. Deine Reifen sind bezahlt."
Ich fragte ihn ob er mir jetzt die Reifen schenken wolle. Und er: "Nein nein, ich habe damit nichts zu tun. Aber deine Reifen sind bezahlt worden. Und nun tschuess! Gute Fahrt." 
Das konnte nur A. gewesen sein, denn nur er wusste, wohin ich fuhr, schliesslich hatte er mir den Tipp gegeben. 
Das kann doch nicht wahr sein! Ich sass immer noch mit offenem Mund und wie versteinert mit meinem Portmonnaie in der Hand in Alons Buero. 
Was habe ich doch immer fuer gute Engel um mich! Und - wie oft schon hat A. mir geholfen, mich unterstuetzt und mir zur Seite gestanden. Einfach so. Aus Nettigkeit. 
Alon meinte zu mir: "Ich bin nicht religioes, aber weisst du, auch ich finde, dass Juden sich gegenseitig helfen muessen. Das ist das einzig Richtige."
Er drueckte mir ein Spray in die Hand: "Und das hier ist ein Geschenk von mir. Falls du mal eine Reifenpanne hast, und nicht gerade in der Naehe einer Werkstatt, kannst du mit dieser Masse, den Reifen wieder aufpumpen. Es ist wie eine Art Kleber, der eine gewisse Zeit haelt." 

Was sagt man dazu? 
Nun kann ich also mit besserem Gefuehl am naechsten Dienstag - unserem Wahltag - in den Norden fahren, denn mein angemietetes Auto von Sixt habe ich natuerlich storniert, aufgrund des unvorhergesehen schnellen Kaufes. 
Und ich glaube, die Stimme von waze wird ab jetzt meine "Freundin" sein. Ich musss mir nur noch einen Namen fuer sie einfallen lassen. Wie waer´s mit Zippora?

Kommentare:

Flamingo hat gesagt…

Wow. Echt toll wie es für dich in Jerusalem läuft. Lese ab jetzt immer mit Spannung deine Berichte.

NOA hat gesagt…

Nicht zu sehr blenden lasse. Es ist nicht alles rosig und ich muss hart arbeiten fuers geld! Viele hier -unter anderem ich - kommen mit einem job nicht aus. (Zumindest nicht wenn man nicht NUR immer knapsen will.

Flamingo hat gesagt…

Ja natürlich läuft's nicht nur alles toll. Aber dass doch schon.

NOA hat gesagt…

ich bin auch sehr dankbar. :-)
ich hab das nur betont, weil es sich vielleicht zu rosig anhoert. man muss hier maechtig schuften, wenn man sich selbst ernaehren muss und sonst sich noch ein wenig leisten moechte. Das Leben hier mit allem drum und dran ist nicht einfach. Ich will nicht den eindruck erwecken, dass alles glatt laeuft.
Ich persoenlich habe in vielem grosses Glueck und viel Siata dishmaya (Hilfe vom Himmel, von Hashem) bekommen. immer wieder menschen, die mir halfen, auch in schweren Stunden (wie Herz-OP) bei mir waren, mich unterstuetzt haben, mir zur Seite standen. Und ich habe einen Job der mich ernaehrt, (und der dennoch nicht immer leicht ist) ... ich habe G-tt sei dank die Kraft, noch ein wenig mehr zu arbeiten, um mir hier und da etwas leisten zu koennen. Dafuer bin ich insgesamt dankbar. SEHR dankbar.
Auch fuer alle Freunde, die mir auf den Weg geschickt wurden. Das ist nicht selbstverstaendlich und das ist mir immer bewusst.
Noa

Flamingo hat gesagt…

Nun ich kann mir sehr gut vorstellen dass das Leben in Israel oder allgemein außerhalb Europas härter ist.

Dass bei dir nicht alles glatt läuft hätte ich auch nie erwartet. Aber ich meinte gerade so Dinge wie dein Auto usw.