Mittwoch, 25. März 2015

Sterbebegleitung

Ein Vortrag vom heutigen Tage hat mich sehr beruehrt. Die Dozentin war eine Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin, die mit Sterbenden arbeitet. Die  Beschreibung ihrer Arbeit strahlte trotz des schwierigen Themas eine besondere Art von "Ruhe" aus. Die Gespraeche, ueber die sie berichtete und der Prozess der Sterbebegleitung des Kranken und seiner Familie beeindruckten sehr. 
Mich stiess es mal wieder auf die Frage, ob ich diese meine Arbeit noch viele Jahre tun moechte. 
Im Grunde ist der Inhalt unserer Arbeit - die Hausbesuche - wirklich wichtig und nicht uninteressant. Was mich an der Arbeit lediglich stoert ist die Art und Weise, wie wir sie verrichten (muessen). 
Wir sind gewissermassen dazu gezwungen, im Renntempo von Familie A nach Familie B zu hasten und oft sind wir nur 20 min. bei einer Familie. 
Wir sind in der Hauptsache damit beschaeftigt, von Punkt A nach Punkt B zu laufen, an Haltestellen die Zeit zu verschwenden und sehen die Familien in der Regel nur einmal in zwei Monaten. 
Der Arbeitgeber stellt uns keine Autos zu Verfuegung und beteiligt sich auch nicht an den Haltungskosten eines Privat-pkws. 
Ich sehe lediglich den grossen Unterschied, wenn ich mir mal den Luxus leiste, mit dem Auto den Tag zu bewaeltigen (auf meine Kosten!) Ein Tag, an dem man mit dem Auto zu Hausbesuchen faehrt, ist ungleich entspannter und man ist am Ende des Tages nicht voellig erledigt vom Laufen, hat noch Energien. 

Optimale Arbeitsbedingungen fuehren eben meist zu optimalen und professionelleren Ergebnissen. 
Der allgemeine Trend ist, in moeglichst wenig Zeit moeglichst viel zu schaffen.
Ideen zu Arbeitsoptimierungen sind weniger erwuenscht und das was im Fokus ist, ist die Anzahl der Patienten, die gewissermassen Kunden sind. 
Das ist es, was mich stoert und ich bin nicht sicher, ob ich als "Arbeitstier" noch weitere 10 Jahre so weitermachen will. Nicht umsonst ist diese Arbeit - insbesondere die Hausbesuche - nicht sehr beliebt und es gibt eine enorme Fluktuation in unserem Bereich. 

Wovon ich traeume, ist eine Arbeitsstelle, die mehr Ruhe ins Leben bringt. Das hoert sich nach Utopie an, oder? 
Dieses Hasten von A nach B und das Ziel, moeglichst viele neue Patienten zu gewinnen, ist ein hartes "Geschaeft", und nicht nur Wohltaetigkeit. Zudem ist die Konkurrenz gross und schlaeft auch nicht. Es gibt unzaehlige private Firmen, die diesen Bereich bedienen und nur einige wenige "gute".
(wie wird gut gemessen? Moeglichst wenige Fehlerpunkte, d.h. der Firma gelingt es, dass der Sozialarbeiter die Familien alle zwei Monate sieht (alles was einen Tag darueber ist, ist ein Fehlerpunkt. Es ist auch ein Fehlerpunkt, wenn man jedes 2. Mal NICHT den Metapel, den Hauspfleger sieht. )
Bei dieser Arbeit etwas angenehmere Arbeitsbedingungen zu haben, wuerde ganz sicher sogar zu besseren Ergebnissen (also auch besseren Zahlen!) fuehren.
So aber bleibt es ein Rennen gegen die Zeit. 

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