Freitag, 20. März 2015

Traurig oder lustig?

Heute morgen vor der Postfiliale. 
2 Maenner stehen dort schon vor 8h und warten. Ich naehere mich ihnen, stelle mich hinter den letzten, als eine Frau mit dem Auto vorbeifaehrt und den beiden Maennern aus dem Auto zuruft: "Ich bin hinter ihr dran." (zur Erinnerung: wir koennen alle nicht warten. Ich schliesse mich da mit ein..)
Inzwischen kommt noch eine andere junge Frau mit einem Cafe in der Hand. Wie sich spaeter herausstellt, war sie schon in der "Schlange", wollte sich aber eben einen Cafe holen. 
Es kommen noch 3 andere Menschen, die sich hinter mich stellen. 
Da kommt die Frau, die jetzt einen Parkplatz gefunden hat und fragt einen der Maenner: "Wer war die Frau, hinter der ich dran bin?" 
Er zeigt auf die junge Frau mit dem Cafe, die etwas abseits der Reihe steht. 
Und ich bin irritiert, erinnere sie daran, dass ich mitbekam, wie sie mit dem Auto an uns vorbeifuhr. Da platzt sie, kommt mit dem drohenden Zeigefinger auf mich zugerannt und sagt: "Pass mal auf! Soll ich es dir nochmal erklaeren?"
"Nein," sage ich, "du brauchst mir nichts zu erklaeren, ich bin in diese Reihe gekommen, als nur 2 Menschen hier standen." 
Sie wendet sich an einen der Maenner "Sag´s ihr, nun sag´s ihr schon!" 
Ich schaue den Mann irritiert an. "Die junge Frau mit dem Cafe war vorher schon hier." 
Ich sage: "Nun, dass alle kommen und gehen, wie soll man da wissen, wer schon hier war?" 
Die Frau aus dem Auto platzt jetzt und schreit mich - immer noch mit drohendem Zeigefinger - an: "IHR! IHR ASHKENAZIM, ja SO SEID IHR!" 
(insgeheim denke ich mir: wenn sie wuesste, dass ich noch vor ein paar Jahren gar keine Juedin war, wuerde sie mich sicher noch anders beleidigen.... ashkenazi ist da fuer mich eher keine Beleidigung)
Ich verziehe das Gesicht und muss lachen. "Oh je... jetzt bitte nicht diese Schiene. Ihr... was soll das heissen "ihr"? Das ist es was uns umbringt, dieses "Ihr" 
Sie macht weiter: "Ja, IHR, IHR Ashkenazim. Hochnaesige Typen. Ihr seid das Boese. Gift seid ihr,  das Gift der Kobra....!!!"
Ich schuettele nur noch den Kopf. Was soll man dazu sagen? 
Sie gibt sich nicht zufrieden und schreit: "Aber ich sage was ich will. Auch wenn ich schwarz bin. (ihre dunkle Hautfarbe ist mir bis dahin - ich schwoere - UEBERHAUPT nicht aufgefallen. 
"Niemand hat gesagt, dass du schwarz bist." sage ich ihr, aber sie ist in ihrem Film und setzt einen drauf: "Doch - DU hast gesagt, ich bin schwarz!"
???????? Auweh.... was soll man dazu sagen? 
"Ich sehe schon, " sage ich ihr, "wir sind nicht EIN Volk sondern IHR und WIR. Schade... "
"Ja, weil DU gesagt hast, ich bin schwarz."

Heute abend am Shabbattisch wird sie erzaehlen, dass eine unfreundliche Ashkenazim ihr im Eifer des Gefechtes um einen Platz vor der Postfiliale sagte, sie sei schwarz. 
Und so schuert sich der Minderwertigkeitskomplex weiter, auch wenn er - in vielen Faellen jedenfalls - gar keine Grundlage mehr hat. 
Ashkenazim gegen Spharadim, Charedim gegen Chillonim (nicht religioes lebende juden) oder nationalreligioese, nicht religioese gegen Charedim ich brauche gar nicht erst von Juden gegen Araber oder Araber gegen Juden anzufangen. Nicht mal wir sind uns einig.
In jedem Falle ist das, wovon ich traeume: "Ein Volk mit EINEM Herzen..." wohl doch nur eine schoene Illusion. 
Wie sollen wir so aus Aegypten ausziehen, gemeinsam aus der Sklaverei?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

eine sehenswerte doku zum thema ashkenazim:
http://www.cultureunplugged.com/storyteller/Trabelsi#/myFilms

Anonym hat gesagt…

Ergänzend: Charedim sind nicht nur gegen Chilonim negativ eingestellt (evtl. sogar gegen die deutlich weniger negativ, da gut für "Kiruv"), sondern vor allem gegen alles, was "anders" religiös ist: auch und vor allem gegen die Zijoinim und dati le'umi.

Schavua tov!