Donnerstag, 30. April 2015

Schreibfaul - und "Besuch in Aussicht"

Es ist nicht so, dass hier nichts passiert im Land, aber ich habe einfach keine Lust darueber zu schreiben. Raketen flogen im Norden des Landes ueber die Grenze, es gab Alarm u.a. in Kfar Blum und Katzrin, "versehentliches" Rueberschwappen der Kaempfe in Syrien... hmmm..
In Gaza wird fleissig weiter aufgeruestet und der Tunnelbau geht weiter. Die Anwohner im Umkreis von Gaza hoeren staendig Grabegeraeusche. Nicht angenehm, um es mal vorsichtig auszudruecken. 
Heute ist eine Demo fast komplett aus dem Ruder geraten. Die Aethiopische Gemeinde demonstrierte gegen Polizeigewalt und Diskriminierung. Ausloeser war ein schlimmer Vorfall von Gewalt gegen einen aethiopischen Soldaten von Seiten der Polizei. Dumm fuer die Polizei, dass der Vorfall mit Video aufgezeichnet wurde. 
Es wird nicht langweilig hier. 

Was mich im Moment aber mehr beschaeftigt ist mein Privatleben. 
Ich zaehle die Tage und der Countdown ist fast bei Null angekommen. Meine aeltere Tochter kommt zu Besuch mit ihrem Freund. Am Sonntag wird sie landen und ich habe ab Sonntag nachmittag 5 freie Tage. 1 1/2 Jahre habe ich sie nicht gesehen. 1 1/2 Jahre hatte ich keinen Urlaub. 
Ich bin ziemlich aufgeregt und habe schon die Wohnung auf den Kopf gestellt, obwohl sie natuerlich mit Freund nicht bei mir uebernachten wird. Aber alles soll sauber und ordentlich sein. 
Sie werden 6 Tage in Jerusalem, ganz in meiner Naehe in einem kleinen Appartment wohnen und anschliessend noch 3 Tage im Hotel in Tel Aviv. 
Wir werden viele Ausfluege machen, und ich hoffe, dass mein kleines Auto gut durchhaelt. 
Geplant ist Nachal Arugot, Totes Meer, Massada, und wenn es geht noch an den Kinneret. 
Der Freund meiner Tochter kommt zum allerersten Mal, waehrend meine suesse Tochter schon das 3. Mal herkommt. Sie ist also gewissermassen schon ein "alter Israelhase". 
Das volle Touristenprogramm muss aufgefahren werden, Altstadt, heilige Staedten, unterschiedliche Aussichtspunkte auf die schoene Stadt. 
Und das Wetter? Das soll auch nach der Vorhersage bis Mittwoch absolut perfekt sein. 
Ich freue mich so sehr. 

Samstag, 25. April 2015

Ein Licht fuer die Opfer des Erdbebens in Nepal

Erst gerade habe ich vom Erdbeben in Nepal gehoert.
Ich bin einfach nur entsetzt und mir fehlen Worte. Ich bin verzweifelt, wenn ich denke, dass unter Truemmern Menschen eingeschlossen sind, die sich nicht befreien koennen, wohl grosse Schmerzen haben und keine Luft bekommen.
Aus Israel sind schon Hilfsorganisationen unterwegs in diesen Stunden und ich hoffe, sie koennen erfolgreich helfen und Leben retten.
Ich bin mit allen, die auf der Suche nach Wasser, Nahrung, Strom und Decken sind.
Ich moechte ein Licht fuer alle Opfer des Erdbebens anzuenden. יהי זכרם ברוך

Freitag, 24. April 2015

Shabbat shalom mit einem Lied

Gerade in der Sendung "HaOneg haShishi" mit Shim´on Parnas. 
Shim´on erzaehlt, dass man selten von einem Lied sehr beruehrt wird, es passiert immer seltener in der heutigen Zeit. Aber eines der Lieder, die ihn zutiefst beruehrt und beeindruckt hat, ist dieses, von Miki Gavrielov "Ahuvati" (meine Geliebte)
Und ja, ich muss sagen, es beruehrt mich auch. Sehr. 
In diesem Sinne habt einen Schoenen Shabbat. 
Shabbat Shalom

Reaktion auf den Raketenangriff

Zahal (IDF) hat in der heutigen Nacht als Reaktion auf die gestrige Rakete aus dem Gazastreifen ein Ziel im Gazastreifen bombardiert, aus der Gegend von wo die Rakete abgeschossen wurde. Anscheinend scheint die Chamas nicht hinter dem Angriff zu stehen.
Allgemeine Einschaetzung: Es wird wohl (hoffentlich) nicht zu einer Eskalation der Lage kommen. Hoffen wir, dass es ein Einzelfall war.

Donnerstag, 23. April 2015

EIN GEDI


Abschluss eines schoenen 67. independence-Day: eine Rakete aus dem Gazastreifen

Ich kann es nicht fassen. Nach drei Monaten Ruhe im Sueden, gibt es vor fast zwei Stunden Zewa-Adom Alarm in Sderot und in den Ortschaften um den Gazastreifen herum. 
Ich schreibe eine Whats App an Odeliya, die in Sderot wohnt. Was ist los? Fehlalarm?
Leider nein, schreibt sie mir, wir haben eine Rakete fallen hoeren. Die Kinder sind total erschrocken. Es kam so unvermittelt. 
Dann in den Nachrichten: Bestaetigung. Im noerdlichen Negev ist eine Rakete gefallen, die keinen Schaden angerichtet hat. 
Trotzdem, zurzeit wird wohl beraten, ob und wie reagiert wird. 
Dass es eine Reaktion geben wird, ist fast klar.
Bitte lass das jetzt nur ein einmaliges Ereignis gewesen sein.

Wunderschoener Independence-Day

Ich habe heute alles richtig gemacht. Glaube ich. 
In vielen Gegenden hat es geregnet und war kalt. Ich dachte mir schon bei der Vorhersage, dass ich unbedingt ans Tote Meer fahren muss, denn da ist es meist warm. 
Und so war es. Ich hatte einen heissen, fast wolkenlosen Tag und bin viel gewandert, jetzt totmuede und zufrieden. 
Schon frueh am morgen bin ich im Nachal (Wadi) David gelandet, und dort eine kleine Runde gedreht bis zum Wasserfall. 
Anschliessend wollte ich noch zum Nachal (Wadi) Arugot, denn dort war ich wohl fast 10 Jahre nicht mehr. Ich hatte fast vergessen, wie majestaetisch sich dort die Wuestenfelsmassive erheben rechts und links vom Weg, der bis zum grossen Wasserfall ca. eine Stunde dauert. 
Wow! Wirklich eine starke Atmosphaere. Worauf man nur streng achten sollte ist, genug Fluessigkeit mitzunehmen. Der Mann am Eingang zum Nationalpark sagte jedem "Eine grosse Flasche pro Person" (1 1/2 l). Eine Stunde hin, dort etwas Zeit verbringen und nochmal eine zurueck. 
Als ein Mann ihm sagte, er habe nur kleine Flaschen, gab er ihm den strengen Hinweis: "Sobald ihr die Haelfte leergetrunken habt, UMKEHREN!" 
Bei mir kam es tatsaechlich genau hin, was er empfahl. 
Nach dem Spaziergang im Wadi Arugot wollte ich unbedingt Ein Gedi Kibbutz noch einen Besuch abstatten, denn auch dort war ich zuletzt 2004. Es gibt dort ein Kibbitz-guesthouse, wo ich damals 4 Naechte verbracht habe, und einen schoenen Botanischen Garten. 
Ein Gedi Kibbutz liegt auf einem Felsmassiv hoch ueber dem Toten Meer und bietet einen unvergleichlichen Ausblick auf die Umgebung, die hohen Felsmassive. 
Die verschiedenen Straende, wie der frei zugaengliche Strand von Ein Gedi und Mineral beach sind gesperrt, die Strasse wird kurz vor Ein Gedi umgeleitet, denn es wurden einige grosse Loecher festgestellt, die vom Wasser unterspuelt und sich in Bewegung gesetzt haben. All das muss nun "repariert" werden und kann Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern. 
"Das tote Meer wird nicht mehr so sein wie vorher" meinte eine Frau aus Ein Gedi Kibbutz. "Es ist eine Katastrophe fuer den Tourismus. G-tt sei dank ist in Ein Gedi Spa (auch einem Zugang zum Strand) noch alles relativ in Ordnung, man kann dort baden. (Aber mit einem Eintritt von ca. 80-95 Shekel)
Mein Tag war wunderbar und heiss, und als ich wieder hoch nach Jerusalem fuhr spuerte ich schon den eiskalten Wind, der einem zurzeit um die Nase weht.

Im Nachal David - Wadi David (Ein Gedi)



















Nachal Arugot - Wadi Arugot (Ein Gedi)






































































Im Kibbutz-guesthouse Ein Gedi




































Mittwoch, 22. April 2015

יום עצמאות שמח! Happy birthday 67, Israel


Uebergang Yom haSikaron - Independence-day

So ganz ganz langsam scheint die Stimmung zu kippen, vom tief gedrueckten Schmerz, von der grauen Decke der Trauer, die sich ueber den Tag ueber uns ausgebreitet hat, hin zu einer offeneren hoffnungsvollen Warteposition. 
Und das ist gut so. 
Denn bei mir schlich sich schon langsam eine Art Hoffnungslosigkeit ein. 
So viele Geschichten, so viele Schicksale, so viele Kriege und Terroranschlaege. 
So viele junge Menschen, Kinder, Frauen, Alte, die ihren Tod fanden, so sinnlos. 
So viele Familien, die - wie es eine Hoererin im Radio so schoen ausdrueckte "am Abend nicht in die Independenceday-Freude" uebergehen, wie die, die niemanden zu betrauern haben. 
Fuer die verwaisten Familien ist der Gedenktag ein Tag wie jeder andere, ein Tag an dem die Wunde schmerzt, sie denken jede Stunde, jeden Tag, jede Woche und jeden Monat des Jahres an ihre Geliebten, die von ihnen gingen. Zu frueh, zu jung. 

Ich kann es kaum beschreiben, was in den spaeten Nachmittags-Abendstunden vor sich geht, in den Stunden zwischen der tiefen Trauer und der groessten Freude ueber einen Staat, den es vor 70 Jahren noch nicht gab. 
Ich haette fruher nie fuer moeglich gehalten, wie sehr man eine gemeinsame Stimmung in der Luft, in der Atmosphaere spueren kann. Man kann sie fast sehen vor den Augen, man spuert sie im Koerper, im Geist. Das Umschlagen, wie ein Crescendo hin zum Positiven, zu etwas Troestlichem. 

Der Abend am Independenceday ist der Moment des Gluecks - es gibt einen Staat, ja das juedische Volk muss sich nicht mehr sinnlos abschlachten lassen, einer nach dem anderen, Million fuer Million. Es gibt eine Zuflucht, eine Heimat, ein Zuhause. Es gibt einen Staat, der dich und mich beschuetzt. Einen juedischen Staat. Was fuer ein Wunder!
Die Zentrale Veranstaltung auf dem Herzlberg, das Entzuenden der 12 Fackeln, fuer 12 Staemme, ist so ziemlich die patriotischste Veranstaltung, die es hier in Israel gibt. Stolz, Freude, Glueck und Trost, alles mischt sich hier. 
Und wer darin - von aussen - nur eine Parade sieht - der hat Augen, aber sieht nicht, hat Ohren aber hoert nicht und hat eine Seele, aber fuehlt nicht. 

Ich habe diesen Abend vor 3 Jahren life auf dem Herzlberg erlebt, da eine Freundin Karten bekam, die schlecht zu organisieren sind. 
Es war das Jahr, in dem Hila Bezaleli (ז"ל),  die junge Soldatin, 20 Jahre alt, bei den Proben zur Feier eine Eisenkonstruktion fuer die Lichtanlage auf den Kopf bekam und auf der Stelle erschlagen wurde. Hila, die sich eine Stunde vorher noch stolz mit der Fahne bei Facebook praesentierte, meldete sich ploetzlich nicht mehr, als die Mutter sie anrief. 

Ich habe diesen Abend life erlebt und muss sagen, er bereitet jedes Jahr erneut Gaensehaut. 
Und an diesem heutigen Abend auf dem Har Herzl, bei der patriotischsten Veranstaltung des juedischen Volkes und des Staates Israel wird in diesem "Apartheidsstaat" Israel, eine stolze arabische Israelin eine der 12 Fackeln entzuenden. Sie ist stolz auf den Staat Israel, dessen Buergerin sie ist. Sie hat Kritik, aber konstruktiv und kann dennoch offen und laut ihren Stolz ausdruecken als Journalistin und TV-Moderatorin, die akzentfreies hebraeisch spricht und sehr huebsch ist. 
Lucy Aharish sagt ueber diejenigen, die heute gegen sie demonstrieren wollen voller Selbstbewusstsein: "O.k. das ist deren Problem." und zuckt die Schultern. 
Sie wird wie jeder der 12 Auserwaehlten beim Entzuenden der Fackeln die Worte sprechen: Und zur Herrlichkeit (Ruhm) des Staates Israel! 
Rami Levi, der eine ganze Supermarkt-kette in Israel aus dem Boden gestampft hat, ist auch einer der 12 Menschen, der eine Fackel entzuenden wird. Das Motto war "Porzej Derech", Menschen, die bahnbrechend waren im Staat Israel. 
Rami Levi hat mit einem kleinen Stand auf dem Machane Jehuda-Markt angefangen und besitzt nun die bekannte und preiswerte Supermarktkette Rami Levi. Sicher hat er auch Profitdenken, keine Frage, aber doch hat er stets versucht, in seinem Supermarkt Angebote fuer das "einfache, nicht reiche Volk" anzubieten.

Und nicht zu vergessen, Dani Gold, der fuehrende Kopf bei der Erfindung und Entwicklung unseres menschenrettendes IRONDOME (kipat barzel), DANKE, Dani, du hast dadurch so viele Menschen gerettet, vor allem im letzten Krieg, wo uns die Raketen nur so um die Ohren flogen, hat dein Irondome gemeinsam mit hKb"h im Himmel, uns beschuetzt. 

Ich freue mich heute auf einen Abend vor dem Fernseher. Wie viele meiner Freunde erfuellt mich dieser Abend auch mit grossem Stolz und grosser Freude. 

Yom haSikaron - wer versteht wen?

Ich fuehle mich unverstanden, wenn ich mit Deutschland spreche - heute. In Deutschland geht alles seinen normalen Gang, es ist Alltag. Niemand weiss, dass in Israel, 4000 km entfernt, das ganze Land trauert und gedenkt. 
Ist unwichtig. Und das ist gar kein Vorwurf. Fuer den Alltag in Deutschland ist es unwichtig. Israel trauert, gedenkt, senkt sein Haupt, weint, fuehlt. 
Verstehe ich den Schmerz der Hinterbliebenen? Den Schmerz der Familie, die einige Angehoerige beim Terroranschlag verlor? Den Schmerz der Verlobten, die ihren baldigen Ehemann im Krieg verlor?
Den Schmerz des Bruders, der seinen Bruder im Krieg verlor?
Den Schmerz der Schwester, die ihren Bruder verlor?
Wie es im Radio die Familien beschreiben, verstehen sich manchmal selbst in der Familie die einzelnen Mitglieder nicht vollstaendig. 
Wer versteht schon wirklich in der Tiefe den anderen Menschen?

Ich kann sicher nicht den Schmerz der Familien in aller Tiefe nachvollziehen. Aber ich trauere. Auch eher fuer mich allein. Denn wer sollte MEINEN Schmerz vestehen, ich, die ich keinen Angehoerigen (G-tt sei dank) in irgendwelchen Kriegen verlor, die niemanden (G-tt sei dank) zu betrauern hat, der dem Terror zum Opfer fiel? 
Es ist laecherlich was ich empfinde  - aber ich empfinde es. Die Trauer um jeden Soldaten, jedes Terroropfer, Har Nof ist noch so nahe und es ist meine Gegend, wo ich Patienten habe, und auch einige die Augenzeugen waren. Ihre Beschreibungen sind grauenvoll. 
Jeder geht anders mit der Trauer um. Jeder. Auch jede Familie. 
Manche nehmen an Gedenkveranstaltungen teil. Erzaehlen ueber den Sohn, den Ehemann, und den Tag, an dem an ihre Tuere geklopft wurde und sie es bereits ahnten. 
Manche schliessen sich ein zuhause, wollen nicht sprechen. Mit niemandem. 
Selbst Familienangehoerige koennen nicht immer mit ihren naechsten Verwandten reden. Wollen es nicht. Koennen es nicht. Was auch immer. 
Die gemeinsame Seele des Volkes aber ist heute spuerbar. Ohne Worte. Ohne Sprechen. In der Atmosphaere. 
Sie verbindet uns und gleichzeitig trennt sie uns doch sehr deutlich von den Gefuehlen im Ausland, in Deutschland. Nur sehr wenige in Deutschland (ausser den juedischen Gemeinden natuerlich) werden wissen, was heute die juedische, die israelische Seele bewegt. 
Nur wenige verfolgen im Internet im israelischen Radio die Veranstaltungen, das Kaddish, das Aw haRachamim. Die meisten koennen ja auch kein hebraeisch. 
Einige wenige Menschen, ehrlich gesagt in meinem Fall nur ein Mensch, der es versteht, der die Sendungen mitverfolgt, der auch hebraeisch immer besser versteht, verstehen will. 
Ich habe mich oft in meinem Leben NICHT verstanden gefuehlt, mehr als ich mich verstanden fuehlte. Ehrlich gesagt. Daher ist es nicht fremd, dieses Gefuehl. 
Was mich troestet ist die Tatsache, dass es heute vielen vielen Menschen hier im Land nicht anders geht. Aus ganz unterschiedlichen Gruenden. 
Ganz tief in unserem Innern wird sich ohne unser Bewusstsein unsere Seele mit der grossen gemeinsamen Seele des Volkes Israel verbinden. Da bin ich sicher. 
Und dafuer brauchen wir keine Worte, keine unnuetzen Beteuerungen, kein Verstaendnis. Es ist einfach da und wir fuehlen es. 
Ein schwieriger Tag.

Aber ein riesiger Trost - es gibt jemanden, der immer bei uns ist, mit uns geht, und er versteht uns. Da ist es weniger wichtig, ob Menschen uns verstehen.
In diesem Sinne ein Video von Ofra Chaza. "Jemand geht immer mit mir..."
 

Dienstag, 21. April 2015

Gedenkveranstaltung

Der Schmerz der verwaisten Eltern, der Ehepartner, der Verwandten.
Lieder zur Erinnerung. Geschichten ueber die gefallenen Soldaten. Und die Terroropfer.
Die Mutter von Naftali Frenkel, einem der drei entfuehrten und ermordeten Jungen vom letzten Jahr.
Sie ist stark. Emotional. Er fehlt ihr. Sie erinnert sich. Ist dankbar. 
Der drusische Polizist, der als erster am Ort des Massakers von Har Nof war, wo in einer Synagoge grauenvolle Morde veruebt wurden. Mit Axt und Gewehr. 
Er, der Druse, hat sein Leben geopfert, um Juden zu retten. 
Und seine Frau spricht, sie sagt, es sei typisch fuer ihn. 
So war er. 
Und so werden die Drusen weitermachen, weiter in Israels Armee kaempfen, fuer Israel. 
Sie fuehlen sich verbunden mit dem Staat Israel. 
Ein drusischer Saenger tritt auf. Singt hebraeisch. Singt arabisch. 
Und selbstverstaendlich wird auch des arabischen Jungen gedacht, der lebendig verbrannt wurde, der auch dem Hass zu Opfer fiel, dieses Mal dem Hass von extremistischen Juden, die drei ermordete juedische Jungen raechen wollten. 
Ja, all das gibt es auf einer Gedenkveranstaltung in Jerusalem. 

Heute faengt der schwere Tag an, der Tag der fuer verwaiste Eltern besonders schwer ist, der fuer Verwandte der Terroropfer so schrecklich ist, der fuer Ehepartner und Verlobte tiefe Trauer bedeutet.

Und wenn der morgige Tag vorueber geht, wenn die Sonne sich neigt, zum Abend hin, dann kippt der tiefe Schmerz hinueber in Freude und Glueck - Independence Day, es gibt einen Staat seit 67 Jahren, eine Zuflucht, eine Heimat. 
Und auf der Feier am Har Herzl, dem patriotischsten Abend den das Volk zu bieten hat, wird unter anderem eine arabische Israelin eine der 12 Fackeln entzuenden mit den Worten: Und zur Ehre (Pracht, Herrlichkeit) des Staates Israel. (..ולתפארת מדינת ישראל) Sie ist stolz auf ihr Heimatland - stolz auf den Staat Israel. 
Sie ist Journalistin, spricht ohne Akzent hebraeisch und trotz konstruktiver Kritik, die sie an der Politik uebt, ist sie stolz auf Israel. Sie kann diesen Satz ohne Einschraenkung sagen. 

All das gibt es hier in Israel - auch!

Gedenktag fuer alle gefallenen Soldaten und Terroropfer Israels יום הזיכרון לחללי מערכות ישראל ופעולות איבה

יהי זכרם ברוך

Montag, 20. April 2015

Blogempfehlung: Ich, die Siedlerin (eine juedische Stimme aus Judaea)

Liebe Leser, 
denjenigen, die sich hin und wieder bei mir "beschweren" fuer meine Kontakte zur "Siedlerwelt", zu den Extremisten, selbst ein sehr befreundeter Rabbiner in Alon Shwut (Rabbi Israel Rozen) wurde schon von Lesern als Extremist und absolut untolerant bezeichnet - sei ein Blog ans Herz gelegt, der aus einer Siedlung geschrieben wird. 
Der Blog von Chaya, die auf Deutsch schreibt und einen Einblick ins "Siedlerleben" gibt, den man wohl in Deutschland sonst nicht bekommt.
Vielleicht bekommt ihr - besonders die, die beim Wort Siedler immer ganz rot-aggressive Augen bekommen - so mal einen ganz anderen, sehr bunten Einblick in das, was man Siedlung nennt, in die Umgebung, die wunderschoene Landschaft, die verschiedenen Arten, wie Juden und Araber miteinander (auch!) umgehen und wie es sich in einer Siedlung lebt. 
Ich kopiere euch hier einen Teil aus Chayas Beschreibung ihres Blogs und lege ihn euch ans Herz. 

DIESIEDLERIN.NET: Worum geht’s?
Mein Interesse zur Siedlerbewegung entwickelte ich schon während des Jahreslernprogrammes am religiösen Institut “Machon Ora” in Jerusalem, noch ganz zu Beginn meiner Zeit in Israel. Dort bekam ich die Grundlagen und die ideologischen Zusammenhänge vorgestellt, und lernte viele Menschen aus dieser Gesellschaft kennen. Die Idee zu einem tatsächlichen Blog über das jüdische Leben in Judäa und Samaria entstand aber während meiner Mitwirkung am Aufbau des Naturreservates Oz veGaon im Sommer 2014 (Bericht folgt). Das Leben und Arbeiten dort, in der freien Natur, im Wald, mitten in einer Region geladen mit jüdischer Geschichte und lebendem Zionismus, faszinierte und motivierte mich dazu, meine Erlebnisse und den Einblick in den Alltag in dieser Region mit anderen zu teilen.
Und so soll mein Blogprojekt auch verstanden werden – eine Gelegenheit für Leser, ein Fenster in eine ferne und mannigfaltige Welt zu öffnen, die bei der heutigen Stimmungs- und Politiklage eine erschreckende Verleumdung und Verzerrung ihrer Wirklichkeit erfährt. Außerhalb gängiger Konventionen und allseits benutzter Wortwahl. Mit Menschen, die sonst keine Möglichkeit bekommen, zu Wort zu kommen. Mit Bildern aus Regionen, in welche sich der ‘stinknormale’ Großstadtbesucher nicht trauen würde und welche nicht unter die Versicherungsbestimmungen der israelischen Leihwagen fallen… Mein erklärtes Ziel ist es, eine so authentische Stimme wie möglich vom Ort des Geschehens wiederzugeben: it Fotos, Interviews, Musik, Erzählungen und mehr. Denn über die Problematiken, die Konflikte, die Negativität gibt es mehr als genug Beiträge und Diskussionen im internationalen Raum. Nicht aber über die Gesellschaft, die Errungenschaften, die Kultur und die Meinungen der Juden von Judäa und Samaria.
Im Blog findet sich Persönliches, Bildliches und Poetisches, unvermeidbar Politisches, unweigerlich Religiöses und Traditionelles, Neues, Erfrischendes, und in jedem Fall Unvorhersehbares. DIESIEDLERIN.NET vertritt eine subjektive Sicht einer ‘jüdischen Siedlerin’ auf die Welt, in der sie lebt und welche sie mitgestaltet. Ich verwende für meine Beiträge jedoch ausgewählte, informative und möglichst sachliche Quellen und möchte auch euch dazu einladen, nachzufragen, und die vorhandene Information zu nutzen,.
Mein Blog ist erst in seinen Anfängen, und im Laufe der Zeit wird er sich dementsprechend erweitern und verbessern können.
..... und hier koennt ihr weiterlesen und im Blog stoebern... falls ihr neugierig geworden seid. 

Freitag, 17. April 2015

Die Fahrt zum Toten Meer - wieder mal.











































































Die Fahrt zum Toten Meer macht mich ruhig. Sonne, und ein warmer Wind weht ins Fenster, mir ins Gesicht. Der Mund wird trockener und das Gesicht spannt. Trinken. Durst. Es ist hell, so sonnenhell. Die Wuestenberge der Judaeischen Wueste liegen malerisch nebeneinander, hintereinander... endlos scheint es. 
Ich wuensche allen Shabbat Shalom!

תחת שמי ים התיכון Unter den Himmeln des Mittelmeeres

Wie ihr schon wisst, habe ich eine besonders Beziehung zu Shlomo Artzi. Er war der erste Saenger fuer mich, zu dessen Liedern ich schon vor 10 Jahren mit dem Auto (damals ein Mietauto) durch Israel fuhr. Ich liebe die Stimmung, die er verbreitet. Eine angenehme positive Leichtigkeit mit Lebenslust - und gleichzeitig oft melancholisch. Jedenfalls ist es das, was er bei mir ausloest. 
Wer es nicht oeffnen kann, bitte nochmal den UNBLOCKER hier.

Montag, 13. April 2015

Mein Tag

Heute war ein vom Wetter her gemischter Tag, der sich am nachmittag sogar mit viel Sonne zeigte, obwohl ein kalter Wind wehte.
Ich hatte irgendwann 12 Hausbesuche hinter mir und im Grunde noch etwas Zeit, um noch mehr zu schaffen, aber meine innerliche Handbremse wirkte. Was soll ich mich jetzt noch mehr quaelen, stattdessen waren meine beiden letzten Hausbesuche in Ein Kerem und ich habe mich anschliessend in den Park des Grundstueckes von Notre Dames de Zion gesetzt.
Es war wunderschoen und wohltuend, nur so dazusitzen und in die ruhige Landschaft zu schauen. Viele Kolobris waren "unterwegs" und haben mich inspiriert, ein Gedicht zu schreiben, auf hebraeisch. Ich habe es in Facebook veroeffentlicht und moechte versuchen, es euch hier zu uebersetzen.

Ein Kerem

Hinsetzen fuer eine Pause
erholen
sich beruhigen
Ruhe.
Nur der Wind
und ein kleiner Vogel
und ich. 
Meine muede Seele schweigt.
Langsam
langsam
nichts draengt
nichts ist wichtig
nichts ist eilig
nur ich und der Wind
und ein zarter Vogel

Keine Erwartungen
Keine Forderungen
Keine Hoffnungen und Wuensche
denn alles ist perfekt
fuer einen kleinen Augenblick
bleib noch ein wenig
mit dem Wind 
und dem wunderschoenen Vogel
sag jetzt nichts
und hoer nur das Rauschen des Windes.
(13-04-2015)

Sonntag, 12. April 2015


Erneute Suche nach Ruhe

Hektik in Jerusalem. Autos, hupen, Druck bei der Arbeit, Tempo. Im Buero wird geschrien, es wird ueberhaupt viel geschrien. 
Am Telefon vor allen Dingen, Patienten und ihren Familien schreien uns an, wenn sie Beschwerden haben. 
Die Woche von Chol haMoed - den Halbfeiertagen - war wunderbar. Auf den Strassen innerhalb der Stadt war nicht so viel los, die Kinder haben Ferien, das spuert man. Die Bahn und die Busse sind nicht so vollgestopft. 
Ich arbeite zurzeit wieder stark daran, Ausgleich und Ruhe zu finden. 
Das Meditieren tut mir gut. Und der Fernseher wird nach den Nachrichten auch abgeschaltet. 
Ich wuenschte, ich koennte meine Arbeit irgendwie ruhiger verbringen, es waere schon schoen, nicht nur von A nach B hasten zu muessen. 
Andererseits ist es im Sommer schoen, draussen zu sein, statt im Buero der Schreierei ausgesetzt zu sein. Der Druck dort ist um ein Mehrfaches hoeher.
Der Druck draussen ist ein indirekter, das Wissen, soundsoviele Besuche "schaffen" zu muessen bis zum soundsovielten des Monats. 
Im Buero sitzen einem die Patienten und deren Familien direkt im Nacken und man muss reagieren auf Geschrei und Beschwerden. 

Gibt es eine Arbeit, bei der man Ruhebeduerfnis UND Job verbinden kann? Ausser Meditationstrainer?

Heute morgen war ich wieder in der Schmerzambulanz des Hadassah-Hospitals. Dieses Mal habe ich sowohl eine Art Akupunktur (aber tiefer gehend) als auch Spritzen in den oberen Rueckenbereich bekommen. Danach stellt sich ein warmes wohliges Gefuehl ein. (Leider ist der naechste Termin wieder erst in 3 Monaten...)
Danach in den stroemenden Regen und Hagel hinaus - nicht sehr foerderlich. 

Es ist wirklich regelrechte Arbeit, fuer sich und sein Ruhebeduerfnis zu sorgen. 
Ich werde gleich schon ins Bett gehen, noch ein wenig lesen und das war es dann.

Samstag, 11. April 2015

Chametz

Nach einer Woche Brot-Nudel-usw-frei, habe ich schon mein erstes Chametz gegessen. Ein Focaccia von gegenueber, ziemlich einfach nur mit Öl und Knoblauch. War ein wenig zu fettig fuer meinen Geschmack aber gut, die Gier nach Chametz ist erstmal befriedigt. 
Die Dosis an Einladung-Alleinsein hat auch gestimmt. Ich war nur gestern und vorgestern abend bei Freunden zum Essen, ansonsten habe ich den Tag im Bett lesend verbracht. 
Der Regen und Hagel prasselte gegen meine Fenster und so liess es sich gut aushalten. 
Das erste meiner zwei neuen Buecher habe ich bereits ausgelesen, das zweite angefangen. Ich muss also zugeben, dass ich ausser der Parasha mich nicht mit heiligen Buechern beschaeftigt habe. 
Dafuer habe ich - inspiriert durch das Buch - wieder angefangen zu meditieren, ich hoffe, ich mache damit weiter, denn ich brauche dringend mehr Ausgeglichenheit und Ruhe. Mein Job ist zurzeit etwas nervig und macht viel Druck. 

Die zwei Buecher - so hat sich herausgestellt - sind Uebersetzungen aus dem Deutschen und ich kann sie nur empfehlen. 
Das erste heisst: (אמנות ההקשבה לפעימות הלב) zu deutsch: Das Herzenhören. 
Das zweite ist eine Fortsetzung der Geschichte und heisst (מיתרי הלב) zu deutsch: Herzenstimmen
Beide von Jan Phillip Sendker.

Ich wuensche allen eine gute Woche und nach Deutschland einen schoenen Sonntag. 
Ein gutes Hineinrutschen in die ganz normale Alltagsroutine nach all den Feiertagen.

Donnerstag, 9. April 2015

Chag Sameach und Shabbat Shalom!


Pessach - die richtige Dosierung

Heute abend beginnt der 7. Tag Pessach, ein Vollfeiertag, im Unterschied zu den Halbfeiertagen diese Woche. Die ganze Woche haben wir nur bis 14h arbeiten muessen, und man konnte wirklich etwas unternehmen. Ich habe es sehr genossen, war in Herzliya, in Beit Zayt und Beit Meir, in der Altstadt an der Kotel. 
Das Wetter war Pessach-wuerdig, Sonnenschein, warm und fruehlinghaft, gestern sogar bis zu 30 Grad. 
Dann der "Absturz" heute morgen, 14 Grad, bedeckt, kuehler Wind und sehr ungemuetlich. 
Das soll morgen, am 7. Tag Pessach und am Shabbat so bleiben. 
Zwei Einladungen fuer heute abend und morgen (Leil Shabbat) habe ich angenommen, aber als heute morgen im Autobus die 3. kam, fuer morgen mittag, habe ich hoeflich abgelehnt. 
Am Abend ist es schoen, eingeladen zu werden, aber was mir immer schwerer faellt, ist der Shabbat-Tag oder am Feiertag, morgens einige Stunden in der Synagoge sitzen, und danach weitere Stunden am Tisch sitzen und essen. 
Das ist fuer mich "Ueberdosierung", mein Koerper und mein Geist koennen das nicht mehr, moechten frei sein und auch ein wenig Zeit draussen verbringen, z.B einen kleinen Spaziergang machen. 
Oder einfach nur im Haus sein und lesen, essen, wann einem der Sinn danach steht, und ausruhen. 


Ich wuensche allen Lesern Chag Sameach, und Shabbat Shalom!
Ruht euch aus, macht etwas Schoenes, findet die richtige Dosierung fuer Geist und Koerper und ueberfordert euch nicht.

Sonntag, 5. April 2015

Hisbollahkaempfer ist nun orthodoxer Jude in Sfat

Das Judentum missioniert nicht. Niemand wird von einem Rabbiner ueberzeugt werden, dass er zum Judentum konvertieren soll. Das Judentum sagt nicht, "Werde Jude, sonst kommst du nach deinem Tode nicht in die Welt, die nur Frieden heisst." Im Gegenteil. Wenn du konvertieren willst, wird dir dein Rabbiner sagen: "Du kannst auch als Christ/Buddhist/Moslem... ein guter Mensch sein und Anteil an der kommenden Welt haben, dafuer musst du nicht Jude werden." 
Aber - wer Jude werden will, wer sich in seiner Seele juedisch fuehlt, dem wird die Tuer aufgetan. 
Wer glaubt, er koenne es nicht schaffen, der Weg ist zu schwer, zu weit, zu steinig, der sollte sich diese Geschichte anhoeren, von einem Hisbollakaempfer, der zum Juden wurde und nun in Sfat lebt. 
Wer wirklich will, der wird es schaffen, dem wird G-tt auf seinem Weg zu jeder Zeit helfen. Das wichtigste ist, die klare Entscheidung zu treffen: Ich fuehle mich als Jude und ich will Jude werden, nicht nur in meiner innersten Seele, sondern auch gemaess der Halacha. 
Wenn diese Entscheidung erst eimal getroffen ist, so wird man sehen, wie G-tt jeden Schritt zu diesem Ziel behuetet und bewacht. 
Hoert euch diese Geschichte an, glaubt ihr im Ernst es waere fuer diesen Mann leicht gewesen, das Beit Din zu ueberzeugen? 
Ihr muesst keine Juden werden, seid gute Menschen im Herzen, liebt euren Naechsten und alle Lebewesen, aber falls ihr das innere Verlangen habt, dann zoegert nicht, euch auf den Weg zu machen. 
Tut das, was mit eurer inneren Wahrheit ueberein stimmt. 
Alles andere wird "von oben" geregelt. 
Zum Pessachfest bin ich meist sehr nachdenklich, was meinen eigenen Weg angeht. Ich schaue zurueck und weiss gar nicht mehr genau, wie es anfing, wann der "Wendepunkt" kam, nach dem so viele fragen. 
Ich weiss nur eines: Es war die konsequente Entscheidung, die innere Wahrheit zu verwirklichen in meinem taeglichen Leben. 
Der erste Schritt, diese innere Wahrheit ueberhaupt zu fuehlen, war als ich israelischen Boden betrat. Das Gefuehl, dass meine Seele hier zuhause ist, loeste einen Weg "zur Wahrheit" aus, zu meiner innersten Wahrheit. 
Ich bin unsagbar gluecklich, das verwirklicht zu haben, was ich fuehlte. Auch wenn ich dafuer einen hohen Preis zahlen muss.

Samstag, 4. April 2015

Frohe Ostertage an alle Leser

In diesen Tagen liegen Pessach und Ostern zusammen. Das Pessachfest hat heute (gestern abend) angefangen und Ostern ist morgen. 
Als ich noch Ostern "feierte", war die einzige Bedeutung fuer mich das "Ostereier-verstecken" fuer die Kinder und die freien Tage. Nicht viel mehr. 
Seit ich Pessach feiere, fuehle ich eine andere Bedeutung. Pessach symbolisiert den Auszug aus Aegypten. (passach ist die hebraeische Wurzel fuer "ueberspringen, uebergehen", so wie G-tt die Haeuser des juedischen Volkes uebersprungen hat, als in der 10. Plage die Erstgeburt in jedem Haus Aegyptens zu Tode kam)
Ich war am gestrigen Leil Seder bei meinen Freunden, 10 Kinder sassen am Tisch und 7 Erwachsene. Es wurde die Pessach-Haggada gelesen, Pessach ist voll von Symbolen auf dem Sederteller. 
Wir haben die ersten Mazzot gegessen und ab jetzt wird es 7 Tage lang kein Brot, sondern Mazze geben. Die naechsten Tage bis zum Donnerstag sind Halbfeiertage, an ihnen arbeiten wir nur bis 14h. 
In den letzten Wochen bin ich etwas melancholisch und verlebe die Shabbatot mit viel Nachdenken. Die Zeit ging so schnell vorueber in den letzten Jahren, seit meine Kinder nicht mehr bei mir wohnen. 
Und im Zeitraffer scheint alles, was mit mir in den letzten zehn Jahren passiert ist, noch unglaublicher. Viele Veraenderungen, seit meine Fuesse zum ersten Mal israelischen Boden betreten haben. 
Volontariate in Israel, die Annaeherung ans Judentum, die Gemeinde in Dortmund, das Lernen fuer den Uebertritt, das Beit Din, die Auswanderung, meine Herzoperation, wieder zurueck nach Deutschland, ein Jahr dort in der Chabad-gemeinde und vor 3 Jahren wieder in Israel. 
Ganz schoen viel passiert. 
Ich wuensche allen Lesern, die Ostern begehen, ein paar frohe sonnige und freudige Ostertage!

Mittwoch, 1. April 2015

Was mir gestern passierte....

Ich fuhr auf der "Begin-road", einer Schnellstrasse innerhalb von Jerusalem in Richtung Norden, wollte in Ramot eine Klientin besuchen. 
Kurz nachdem ich auf die Schnellstrasse fuhr befindet sich ein Fahrzeug direkt neben mir, der Fahrer winkt mir zu, ich soll das Fenster aufmachen. 
Dann zeigt er in Richtung Auto, meiner Meinung nach auf die Reifen, und ich denke: "Oh je... jetzt habe ich sicher einen Platten.."
Ich fahre rechts ran. Der weisse Wagen mit dem jungen glatzkoepfigen Mann haelt auch an und der Fahrer steigt aus. Ich sehe keinen Platten und er ruft mir zu: "Ihr Wagen verliert Wasser!Machen Sie mal die Motorhaube auf!"
Dann oeffnet er den Deckel der Wasserleitung und ich sehe, wie das Wasser tatsaechlich daran runterlaeuft. 
"Hmm, und was kann das sein?"
Der Mann hat einen starken arabischen Akzent und strahlt mich an: "Zufaellig habe ich auch eine Werkstatt. Willst du dass ich dir helfe? Ich kann das reparieren."
Aha, denke ich. Bei solchen Saetzen klingeln bei mir alle Alarmglocken. 
Ich frage ihn, was das denn wohl kosten wuerde. 
"Nicht unter 2000." sagt er. 
"2000????" frage ich ihn. Ob ich damit wohl bis zur naechsten Werkstatt fahren kann, frage ich ihn. 
"Das ist gefaehrlich. Lieber nicht." 
"Ok. Vielen Dank. Ich rufe dann meinen Abschleppdienst an"
"Ich habe auch die Moeglichkeit, dich abzuschleppen. " bietet sich der junge Mann an."Meine Werkstatt ist in Sheich Jarrach.." (das ist in Ostjerusalem, Naehe Skopusberg)

"Nein, danke, ich habe eine Versicherung incl. Abschleppservice," sage ich zu ihm. 
Er gibt noch nicht auf. "Das dauert aber total lange, bis die kommen." 
Ich sage ihm, dass ich warten will und frage ihn, ob er mir evtl. doch mal seine Karte geben kann. 
"Eine Karte habe ich nicht," meint er, "aber warte mal, gib mir mal eben deine Telefonnummer, dann ruf ich dich an. So hast du meine Nr."
(hahaaaa, das wuerde noch fehlen, dass er so auch meine Nr. hat..)
Ich will ihn nicht unbedingt gegen mich aufbringen und sage hoeflich: "Ich gebe niemandem mehr meine Telefonnummer, habe genug Patienten, die mich zu jeder Tageszeit nerven..."
Nochmal bedanke ich mich und er faehrt weiter. 
Ich rufe meine Werkstatt - Shimon -an und frage ihn, ob ich zu ihm fahren kann, wenn ich Wasser verliere. "Lieber nicht, " meint er, " lass dich abschleppen zu mir. Ich schau mir das an."

Also rufe ich meine Versicherung an und bestelle den Abschleppdienst. Meinen Hausbesuch muss ich auch canceln, sowie einen anderen Besuch am Nachmittag. 
Ich warte am Strassenrand und da kommt doch nach einer halben Stunde tatsaechlich der junge Mann noch einmal vorbeigefahren, haelt wieder neben mir und fragt, ob ich klarkomme. 
Wieder danke ich ihm hoeflich und dann faehrt er davon. 
Spaeter kommt der Abschleppdienst, der den Wagen nach Matitiahu (Modiin Ilit) zu Shimons Werkstatt bringt. Ich kann nicht mitfahren, da der Mann vom Abschleppdienst noch weitere Autos einsammeln muss. 
Nach ein paar Stunden erkundige ich mich bei Shimon. 
"Dein Auto ist o.k. Da ist nichts dran." sagt Shimon zu meinem Erstaunen. 
"Wie, da ist nichts dran??? Wie kann das sein? Es verlor doch Wasser." 
"Gar nicht, " sagt Shimon, ich bin ihn gefahren, habe geprueft ob er sich erhitzt, habe einen Drucktest gemacht, aber das Auto ist o.k. du kannst ihn gleich abholen."

Ich kann es nicht fassen. Dass der Typ mich ueber den Tisch ziehen wollte, und viel Geld mit mir machen wollte, war mir ja klar. Dass er aber alles inszeniert haben sollte - das war schon ein starkes Stueck. Ob er wohl als ich die Motorhaube oeffnete, Wasser dort hineingespritzt hat?
Diese Frage stelle ich Shimon und der sagt, dass das gar nicht noetig sei, denn wenn man den Deckel aufmacht, direkt nach einer Fahrt, spritzt es von allein heraus, da das Wasser ja kochend heiss ist.
Ich bin fassungslos, wirklich. So viel Ausgekochtheit!
Da hat der Typ sicher gedacht
Frau allein am Steuer. Dumm. Naiv. Europaeisch aussehend, und daher nicht die Trickserei des Nahen Ostens gewohnt.. 

Nun - G-tt sei dank hat mich das Ganze keinen Shekel gekostet, aber viel Aerger und Unannehmlichkeiten. 
Shimon hat fuer die gesamte Pruefung kein Geld verlangt. 
Und ich bin begeistert von ihm. 
So was ist wirklich fair. Er haette auch eine Menge Geld mit mir machen koennen. 
Ein Charedi, der gerade sein Auto dort ueberprueft, sagt zu mir: "Ja, das ist Shimon. Daher gehen wir seit Jahren nur zu ihm." 
Danke Shimon! Du bist wirklich ein Zadik und ich werde nie mehr zu einer anderen Werkstatt fahren.