Mittwoch, 22. April 2015

Uebergang Yom haSikaron - Independence-day

So ganz ganz langsam scheint die Stimmung zu kippen, vom tief gedrueckten Schmerz, von der grauen Decke der Trauer, die sich ueber den Tag ueber uns ausgebreitet hat, hin zu einer offeneren hoffnungsvollen Warteposition. 
Und das ist gut so. 
Denn bei mir schlich sich schon langsam eine Art Hoffnungslosigkeit ein. 
So viele Geschichten, so viele Schicksale, so viele Kriege und Terroranschlaege. 
So viele junge Menschen, Kinder, Frauen, Alte, die ihren Tod fanden, so sinnlos. 
So viele Familien, die - wie es eine Hoererin im Radio so schoen ausdrueckte "am Abend nicht in die Independenceday-Freude" uebergehen, wie die, die niemanden zu betrauern haben. 
Fuer die verwaisten Familien ist der Gedenktag ein Tag wie jeder andere, ein Tag an dem die Wunde schmerzt, sie denken jede Stunde, jeden Tag, jede Woche und jeden Monat des Jahres an ihre Geliebten, die von ihnen gingen. Zu frueh, zu jung. 

Ich kann es kaum beschreiben, was in den spaeten Nachmittags-Abendstunden vor sich geht, in den Stunden zwischen der tiefen Trauer und der groessten Freude ueber einen Staat, den es vor 70 Jahren noch nicht gab. 
Ich haette fruher nie fuer moeglich gehalten, wie sehr man eine gemeinsame Stimmung in der Luft, in der Atmosphaere spueren kann. Man kann sie fast sehen vor den Augen, man spuert sie im Koerper, im Geist. Das Umschlagen, wie ein Crescendo hin zum Positiven, zu etwas Troestlichem. 

Der Abend am Independenceday ist der Moment des Gluecks - es gibt einen Staat, ja das juedische Volk muss sich nicht mehr sinnlos abschlachten lassen, einer nach dem anderen, Million fuer Million. Es gibt eine Zuflucht, eine Heimat, ein Zuhause. Es gibt einen Staat, der dich und mich beschuetzt. Einen juedischen Staat. Was fuer ein Wunder!
Die Zentrale Veranstaltung auf dem Herzlberg, das Entzuenden der 12 Fackeln, fuer 12 Staemme, ist so ziemlich die patriotischste Veranstaltung, die es hier in Israel gibt. Stolz, Freude, Glueck und Trost, alles mischt sich hier. 
Und wer darin - von aussen - nur eine Parade sieht - der hat Augen, aber sieht nicht, hat Ohren aber hoert nicht und hat eine Seele, aber fuehlt nicht. 

Ich habe diesen Abend vor 3 Jahren life auf dem Herzlberg erlebt, da eine Freundin Karten bekam, die schlecht zu organisieren sind. 
Es war das Jahr, in dem Hila Bezaleli (ז"ל),  die junge Soldatin, 20 Jahre alt, bei den Proben zur Feier eine Eisenkonstruktion fuer die Lichtanlage auf den Kopf bekam und auf der Stelle erschlagen wurde. Hila, die sich eine Stunde vorher noch stolz mit der Fahne bei Facebook praesentierte, meldete sich ploetzlich nicht mehr, als die Mutter sie anrief. 

Ich habe diesen Abend life erlebt und muss sagen, er bereitet jedes Jahr erneut Gaensehaut. 
Und an diesem heutigen Abend auf dem Har Herzl, bei der patriotischsten Veranstaltung des juedischen Volkes und des Staates Israel wird in diesem "Apartheidsstaat" Israel, eine stolze arabische Israelin eine der 12 Fackeln entzuenden. Sie ist stolz auf den Staat Israel, dessen Buergerin sie ist. Sie hat Kritik, aber konstruktiv und kann dennoch offen und laut ihren Stolz ausdruecken als Journalistin und TV-Moderatorin, die akzentfreies hebraeisch spricht und sehr huebsch ist. 
Lucy Aharish sagt ueber diejenigen, die heute gegen sie demonstrieren wollen voller Selbstbewusstsein: "O.k. das ist deren Problem." und zuckt die Schultern. 
Sie wird wie jeder der 12 Auserwaehlten beim Entzuenden der Fackeln die Worte sprechen: Und zur Herrlichkeit (Ruhm) des Staates Israel! 
Rami Levi, der eine ganze Supermarkt-kette in Israel aus dem Boden gestampft hat, ist auch einer der 12 Menschen, der eine Fackel entzuenden wird. Das Motto war "Porzej Derech", Menschen, die bahnbrechend waren im Staat Israel. 
Rami Levi hat mit einem kleinen Stand auf dem Machane Jehuda-Markt angefangen und besitzt nun die bekannte und preiswerte Supermarktkette Rami Levi. Sicher hat er auch Profitdenken, keine Frage, aber doch hat er stets versucht, in seinem Supermarkt Angebote fuer das "einfache, nicht reiche Volk" anzubieten.

Und nicht zu vergessen, Dani Gold, der fuehrende Kopf bei der Erfindung und Entwicklung unseres menschenrettendes IRONDOME (kipat barzel), DANKE, Dani, du hast dadurch so viele Menschen gerettet, vor allem im letzten Krieg, wo uns die Raketen nur so um die Ohren flogen, hat dein Irondome gemeinsam mit hKb"h im Himmel, uns beschuetzt. 

Ich freue mich heute auf einen Abend vor dem Fernseher. Wie viele meiner Freunde erfuellt mich dieser Abend auch mit grossem Stolz und grosser Freude. 

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