Mittwoch, 20. Mai 2015

Krank im Bett

In den letzten 4 Naechten bin ich gegen Morgen immer mit einem Uebelkeitsgefuehl und Druck in der Magengegend aufgewacht. 
Es legte sich danach und morgens nach dem Fruehstueck war es weg. 
Aber in der Nacht auf gestern liess es nicht nach, die Schmerzen waren staerker, gleichzeitig hatte ich Gliederschmerzen, als habe ich Fieber und absolut keinen Appetit. Mein geliebtes selbst zusammengestelltes Muesli wanderte in den Abfall, statt Cafe trank ich Tee und ein paar Stunden spaeter sass ich bei meiner Aerztin. 
Ich hatte schon ueberlegt, dass Nuechtern-schmerz auf ein Ulcus hindeuten koennte und ein Stress-ulcus wuerde absolut zu meiner Situation passen. 
Der Druck ist nicht nur in der Magengegend, er ist in meinem Job zurzeit immer da, so dass man sehr auf sich aufpassen muss. 
Hausbesuche, Hausbesuche, Hausbesuche.. und dann noch unter Termindruck. 
Ich habe jetzt ein Auto, aber wenn ich es fuer die HB benutze, bekomme ich keinen Shekel fuer Sprit, geschweige denn dass die Firma sich an den Haltungskosten beteiligt. 
(Wir bekommen das Geld fuer die Monatsfahrkarte, das ist alles. Und mit dem Bus und zu Fuss, sind manche Gegenden wirklich schlecht erreichbar, besonders wenn man die Wartezeiten an den Haltestellen einrechnet ist es regelrechte Zeitverschwendung.)
Daher hatte ich in der letzten Zeit entschieden, zwar auf meine Kosten aber dennoch ab und zu mit dem Auto zu fahren. 
Man glaubt nicht, was fuer eine grosse Erleichterung das ist und wieviel mehr man schaffen kann, ohne abends voellig kaputt und durchgedreht zu sein. 
Nun hatte die Chefin mir auch noch zusaetzliche HB aufgedrueckt, wegen Personalmangel, diese zwar gegen Extrageld, aber.... Geld hin, Geld her, ich kann es wirklich gut gebrauchen, nur, der Druck waechst damit noch mehr. 
(Uebrigens gibt es Firmen, die verstanden haben, dass ein Auto nicht nur dem Mitarbeiter Erleichterung bringt, sondern auch die Arbeitskraft schont und auf lange Zeit mehr Arbeit zu schaffen ist..)

Auch privat muss ich daher achten, das zu tun, was mir gut tut, was nicht zuviel ist fuer mich. 
Ich habe schon ein paarmal darueber berichtet, dass die Menschen hier SEHR viel unternehmen, in ihrer Freizeit, 
Am Jerusalem-tag, den ich wirklich ueber alles liebe, schlug meine Freundin mir vor, zur offiziellen Veranstaltung auf dem Givat haTachmoschet zu gehen, aber es war mir zuviel. Am Vorabend hatte ich an einem Abend in der Yakar teilgenommen, Lieder und Geschichten zum Thema Jerusalem. Das war in einem Rahmen, den ich gut aushalten konnte, mehr privat und intim, als laut. 
Auch an den Shabbatot bin ich in letzter Zeit so kaputt, dass ich oft nur abends zum Gebet ging, in die Ramba´n Synagoge die gleich in der Naehe ist. Am Shabbatmorgen blieb ich zuhause, fruehstueckte ganz in Ruhe und genoss das Voegelgezwitscher bei mir am Haus. Einfach nur dasitzen, ohne Zeitdruck... das tat meinem Koerper gut. 
Ich habe mir fuer Anfang Juni ein Hostelzimmer in Tel Aviv gebucht, fuer einen Tag. Am Meer sein, ohne Zeidruck zurueckzufahren, einfach abschalten. 
Meine Freundin hatte mir daraufhin fast ein wenig "vorwurfsvoll" gesagt, sie koenne es nicht verstehen, wie ich Geld fuer ein Zimmer ausgebe, und gleichzeitig zum "Shabbat Kehilla" (zum Gemeindeshabbat der Beit Knesset Yehuda haLevi, wo ich viele Menschen kenne) nicht mitfahren will. 
Dieser Gemeindeshabbat beginnt immer an einem Freitag morgen. Man faehrt los mit dem Bus, hat einen Reisefuehrer gebucht und auf dem Weg zum eigentlichen Ziel (dieses Mal hoch im Norden) haelt man an interessanten Stellen an und hoert etwas ueber den Ort. Freitag nachmittag werden in der Jugendherberge die Zimmer bezogen und es geht zur Synagoge, anschliessend gemeinsames Essen. 
Man uebernachtet in Zweibett-zimmern, da der Preis durch den Reisefuehrer schon recht hoch ist. 
Am Shabbatmorgen, Gebet und Essen. Am Nachmittag sprechen einzelne Gemeindemitglieder ueber ihre Arbeit, meist sehr interessante Geschichten. 
ABER: Ich bin schon ein paarmal mitgefahren, und im Moment kann ich mir leider nicht vorstellen, mein Zimmer zu teilen. Ich brauche das Abschalten, die Ruhe. 
Ich kann das viele stundenlange gemeinsame Essen zurzeit nicht aushalten, den Laerm im grossen Saal nicht ertragen , wenn mehr als 100 Menschen zusammen sitzen
Und schon gar nicht das "volle Programm". Auch wenn 2 Stunden Ruhe ist zwischen Essen und Vortragsnachmittag.. das ist mir zu wenig. 
Ich denke, jeder muss fuer sich achten, was ihm gut tut. Nicht jede Lebenssituation erfordert das gleiche Ruhebeduerfnis. 
Was man jedoch sagen muss, es ist nicht immer einfach, sich da durchzusetzen und manchmal wuensche ich mir einfach, dass ein "Nein, danke" reicht und nicht noch ein paarmal versucht wird, mich zu ueberreden/ueberzeugen.
Alles in allem wuensche ich mir zurzeit einen Job, der mir weniger Termindruck/Zeitdruck auferlegt und bei dem man den Mitarbeiter, wenn er krank ist, nicht fragt: Wieviel kannst du dennoch schaffen?
So hilfsbereit und menschlich die unmittelbare Umgebung ist, die Freunde, Bekannte... so knallhart ist doch manchmal hier das Arbeitsleben. 
Soweit ich mich umhoere, sind die Jobs, die ein wenig menschenfreundlicher sind, sehr rar.

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