Samstag, 30. Mai 2015

Zu spaet

Da ich in den letzten zwei Wochen so mit Arbeit zugeschuettet war, hatte ich mich nicht ausreichend darum gekuemmert, was mit dem schwer kranken Mann meiner Bekannten ist. 
Und heute wollte ich Versaeumtes nachholen, machte mich mit Rucksack und einer Flasche Wasser auf den Weg ins Shaarej Zedek Hospital, um ihn dort zu besuchen. 
Zu spaet, wie sich herausstellte. 
Ich kam zur Krebs-Abteilung, dort fand ihn die Aushilfe nicht im Computer, sie schickte mich zur Info gegenueber dem Emergency Room in der 2. Etage.
Der Mann dort sagte, "er muesste auf der 7. Etage sein, Krebsstation.."
"Aber die schicken mich herunter, finden ihn nicht..."
"Entschuldigung, wer sind Sie fuer ihn?" fragt mich der freundliche Mitarbeiter. 
Ich sage: "Er ist der Mann einer Freundin. Jetzt sagen Sie bitte nicht, er ist verstorben..?"
Er nickt. "Doch. Gestern."

Amos war vor einem Jahr an Darmkrebs erkrankt. Wohl schon viel eher, aber entdeckt wurde der grosse Tumor im Dickdarm erst im letzten Jahr. Dann ging es schnell bergab. 
Der grosse schwere Mann wurde in den letzten Monaten nur noch zu einem Schatten seiner selbst und seit ein paar Wochen war er auf einer Station im Shaarej Zedek Hospital. 
Er hatte starke Schmerzen, der Krebs breitete sich wahnsinnig schnell im Koerper aus und war nicht fuer Chemotherapie empfaenglich. 
Nun war es sicher ein Segen fuer ihn, dass er doch zum Schluss recht ploetzlich friedlich eingeschlafen ist, wie mir seine Frau heute nachmittag erzaehlte. 

Ich kannte Amos gar nicht so gut, aber ein Erlebnis werde ich wohl nie vergesssen und bin ihm dafuer sehr dankbar. 
Wir waren bei gemeinsamen Freunden eingeladen und man stellte mich am Shabbat-tisch vor: "Dies ist Noa, Gioret, aus Deutschland eingewandert. .... "
Wir sprachen nett miteinander und am Ende des Abends, als wir uns im Flur an der Tuer verabschiedeten sagte Amos: 
"Wirklich nett, dich kennen gelernt zu haben. Interessant, deine Geschichte. Aber weisst du, was mich unglaublich stoert?"
Ich war gespannt. 
"Ich kann das nicht mehr hoeren, Gioret hin, Gioret her... Fuer mich bist du einfach eine Juedin. Alles andere ist ueberfluessig. Basta!"
Mir war ploetzlich so warm uns Herz. 
Das war fuer mich wirklich echte Akzeptanz, ohne Wenn und Aber und Uebertritt oder nicht. Ich kann mich nicht beklagen, denn ich werde vollstaendig akzeptiert, habe auch keine Probleme damit, zu meinem Giur zu stehen.
Aber solche Worte hatte ich irgendwie noch nie gehoert. 
Selbstverstaendlich hat er mich auch nie gefragt wie ich vorher hiess. Ich danke dir, Amos.
Amos ben Zahava ging in seine Welt. 
יהי זכרו ברוך

Kommentare:

Flamingo hat gesagt…

Mein Beileid...

Anonym hat gesagt…

Mein Beileid

So wie es sich anhört war er ein sehr gutherziger und netter Mensch von denen es auf der Welt leider zu wenige gibt.