Mittwoch, 3. Juni 2015

Frustkrise - und "Freierim"

Ich fuehel mich wie ein i-robot. 
Gerade eben vor zwei Tagen die letzten Berichte der Hausbesuche eingegeben, einiges noch im Buero erledigt, was liegen geblieben war, da liegt schon die neue Liste fuer Hausbesuche im Juni in meinem Fach. 
111 Besuche. Uff!
Alles von vorn, das Rennen gegen die Zeit (weil jeder Patient bis zu einem bestimmten Datum besucht werden muss) beginnt von vorn. Ein Hamssterrad. 
Ich war krank in diesem Monat, d.h. ich bekam eine Arbeitsunfaehigkeitsbescheinigung fuer 3 Tage. Jedoch bin ich nach einem Tag wieder zur Arbeit gegangen, denn ich wollte nicht auf das Geld verzichten. (Zur Erinnerung: in Israel bekommt man die ersten 3 Tage Krankheit keine volle Lohnfortzahlung, egal wieviele Krankheitstage einem zustehen. Man sammelt diese Tage an im Laufe der Zeit. Aber die ersten 3 muss der AG nicht zahlen. Gaengige Praxis ist, 1. Krankheitstag wird GAR NICHT bezahlt, der 2. und 3. nur zu 50 % und erst ab dem 4. Tag volle Lohnfortzahlung. 
Also bin ich bereits nach einem Tag wieder zur Arbeit gegangen. 
Als ich gestern meinen Arbeitsnachweis abgab, riet mir die Chefin (grosszuegigerweise) den einen Krankheitstag auf Kosten meiner Urlaubstage zu nehmen. 
Das ist aber auch krumm, denn ich habe nur 10 U-tage im Jahr. 5 habe ich bereits genommen als meine Tochter hier war, und die anderen 5 wollte ich fuer die 2. Tochter aufsparen. 
Nun habe ich nur noch Anspruch auf 4, bis zum April 2016.

All das frustet mich im Moment total. Auch dass ich das Auto immer oefter benutze, fuer Hausbesuche, weil es einfach viel einfacher ist und schneller geht, ich dafuer aber keinen Shekel Spritgeld bekomme, aergert mich ungemein. Ich weiss zurzeit nicht, wohin der Weg fuehrt, ich weiss nur, dass Veraenderung ansteht. Aber ich drehe mich im Kreis...
Es ist, wie ich feststelle im Internet, einfacher im Zentrum Arbeit zu finden, um Tel Aviv herum. Diese Moeglichkeit sollte man im Auge behalten. Hoehere Gehaelter, aber leider auch hoehere Mieten und Lebenshaltungskosten.

Wisst ihr was ein "Freier" hier in Israel ist? (פראייר)
Nein, nicht das, was man in Deutschland darunter versteht. 
Ein Freier (Mehrzahl Freierim) ist jemand, der ausgenutzt wird, vom Naechsten, von Bekannten, und vor allem vom Arbeitgeber, vom Staat. 
Der Ausdruck ist weit verbreitet und niemand moechte "Freier" sein. 
Die meisten fuehlen sich aber als solche, vor allem die sogenannte Mittelschicht. 
Hohe Mietpreise, stets nur Mietvertraege ueber ein Jahr, hohe Lebenshaltungskosten  bei laecherlichen Gehaeltern, wenige Urlaubstage im Jahr, hohe Wohnungspreise.. unterm Strich: alle Freier!
Und die groessten Freier des Staates sind Sozialarbeiter und Lehrer. 

Kommentare:

Fritzi hat gesagt…

der ausgenuetzt wird und sich ausnuetzen lasst

NOA hat gesagt…

naja... viele von uns koennen ja gar nicht heraus aus dieser Lage... es ist ja auch ein Systemfehler.. was willst du gegen hohe Mieten machen? oder dass der Mieter Arnona zahlt, und nicht der vermieter?
usw usw...
viele haben keine andere wahl... und beim naechsten Chef ist alles in etwa genauso, ... vielleicht mal mehr und mal weniger..
gute chefs, die ihre Mitarbeiter "pflegen" sind doch wirklich selten.