Montag, 19. Oktober 2015

Ein wenig verzweifelt

So meine lieben Leser. Meine Situation zurzeit ist absolut schlecht. Ich habe meine Lebensfreude im Alltag verloren, die Leichtigkeit ist raus, und ich bin gerade an einem Punkt angekommen, der mir nicht viele Optionen laesst, ausser zurueck zu gehen nach Jerusalem. 
Ich verdiene so gut wie noch nie - ABER zahle einen hohen Preis dafuer, sowohl physisch als auch psychisch. Die Arbeit macht keinen Spass, es ist nur ein Wettlauf gegen die Zeit, den ganzen Tag. 
Trotz einer Erhoehung meiner Stelle auf 100 % fuer die naechsten 4 Monate - in denen eine Kollegin im Schwangerschaftsurlaub ist - muss ich nicht selten Ueberstunden machen, um die Arbeit ueberhaupt irgendwie ansatzweise zu schaffen. 
Ich bin fahrig und durcheinander, vergesse Dinge und kann mich kaum konzentrieren, da ich nie etwas zuende fuehren kann, ohne dass die naechste Aufgabe hereinschneit. Ich weine viel, weil ich so dermassen unter Druck stehe.
Ich hatte mir ein "etwas ruhigeres Arbeitsleben" vorgestellt, und bekomme genau das Gegenteil. 
In meiner vorigen Firma musste ich 120 Hausbesuche machen im Monat, mit oeffentlichen Verkehrsmitteln und keinem Shekel km-Geld, falls ich mein Auto benutze. 
Hier bei meiner jetzigen Arbeit habe ich lediglich 30-40 Hausbesuche, bekomme sowohl eine Pauschale fuer den Einsatz meines Fahrzeugs, als auch Versicherung und Test, sowie zusaetzlich km-Pauschale. 
Und doch schaffe ich diese Besuche nur mit grosser Anstrengung, denn es gibt einfach zuviele Aufgaben zusaetzlich. 
Ich habe grosse Probleme mit Mobilfunkantennen, und diese habe ich sowohl in der Naehe meiner Wohnung als auch hinter dem Buero, so dass ich staendig unter Kopfschmerzen leide. 
In der neuen Firma gibt es ein Firmenhandy und ich muss in einer Whats-app-Group unter den Kollegen Mitglied sein. 
Schaue ich mal 15-20 min. nicht in die whats-app Nachrichten, sind gleich 25-40 neue Nachrichten zu lesen. Da ich mehr Probleme habe, wenn ich mich mehr mit dem Handy beschaeftige, versuche ich die Benutzung des Handys zu reduzieren, aber das geht so gut wie gar nicht. 
Neue Nachrichten kommen auch per mail herein, der mail-account muss von meinem Handy zugaenglich sein, und natuerlich gibt es auch telefonische Anfragen, die bearbeitet werden muessen. 
Im Grunde genommen sollte man 24 Std erreichbar sein, diejenigen, die religioes leben und den Shabbat halten, "duerfen" selbstverstaendlich das Handy ueber den Shabbat ausschalten. Am Shabbat-ausgang jedoch sind dann schon wieder einige Whats app zu verzeichnen. 

Ich neige eher dazu, sogar mein privates Handy so oft wie moeglich zuhause zu lassen, z.B. wenn ich am Strand spazieren gehe, um "ABZUSCHALTEN", alles hinter mir zu halten, Kraft zu tanken. 
Und erst recht, wenn es sich um das Diensthandy handelt. Gern gesehen wird das aber nicht, wenn man nicht erreichbar ist. 
Beim letzten Arbeitgeber war ich Sklavin mit schlechter Bezahlung, beim jetzigen eine gut bezahlte Sklavin. 
Die Frage ist nur: Was ist einem ein gutes Gehalt wert? Welchen Preis ist man bereit zu zahlen, fuer ein wirklich super gutes Gehalt (im Bereich Sozialarbeit)?
Meine Gesundheit, die physische und die seelische, ist mir viel wert, ich moechte im Grunde eher mehr Freizeit, als weniger haben. 
Und ich moechte ein Mindestmass an "Freude" haben an der Arbeit, zumindest nicht mit Bauchschmerzen morgens zur Arbeit.
Seit Jahrzehnten schon beneide ich die, die wirklich gern zur Arbeit gehen. Und ich sehne mich im Grunde danach, etwas zu tun, was Freude macht, was Positiv ist, was einem gut tut. Aber das ist wohl ein Traum und bei den wenigsten zu verwirklichen. 
Dennoch - eine gewisse Sehnsucht nach etwas ganz anderem als Sozialarbeit - oder wenn, dann ein Bereich, der Freude macht - ist in mir. Nur dass die meisten Dinge, die wirklich Freude machen und positiv sind, einen nicht ernaehren koennen. Das frustriert ein wenig. 

Da ich mich zurzeit jeden Tag zur Arbeit quaele, ziehe ich sogar in Erwaegung, wieder zurueck zu gehen, zur alten Firma. 
Ich brauche dringend sicheren Boden unter den Fuessen und dort wuesste ich, was mich erwartet. 
Raanana, Kfar Saba und Hod Hasharon, wo ich mich derzeit bewege, sprechen mich nicht so sehr an, das Einzige was mir zurzeit gut tut, ist der nahe Strand von Herzliya, bei Sidna Ali, ich brauche dorthin nur 20 min. 
Meine Chefin ist mehr als fair, sie sieht, wie ich rotiere, und gibt zu, dass diese Arbeit nicht fuer jeden das Richtige ist, (vor allem wohl nicht fuer solche Anti-multitasker wie mich)
Sie gibt mir Zeit, mich einzugewoehnen, wobei ich da schwarz sehe, denn ich bin einfach das Gegenteil von Multitasker, und ich fuehle auch, dass es nicht gesund ist, was ich da tue. 
Sie laesst mir aber auch die Moeglichkeit offen, in der Firma eine andere Aufgabe zu uebernehmen, wobei alles andere mich nicht ernaehren kann. 
Vor allem aber sagte sie mir zu, falls ich doch zurueckgehen sollte nach Jerusalem, mir Gelegenheit fuer Vorstellungsgespraeche zu geben. 
Das finde ich wirklich mehr als fair und es nimmt den grossen Druck von mir. 
Der alltaegliche Druck ist natuerlich dadurch nicht weg. 
Falls ich zurueck gehen sollte nach JLM, gibt es ein weiteres Problem, mein Mietvertrag. 

Zurzeit sieht es also wirklich nicht rosig aus fuer mich. 
Und all das habe ich mir selbst eingebrockt. Wie es aussieht, habe ich einen grossen Fehler gemacht, mit diesem Umzug nach Raanana.
(und bitte jetzt keine Kommentare wie "selbst schuld!", denn das weiss ich, und ich bin etwas zu duennhaeutig, um sie zu ertragen...)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Noa,

es tut mir sehr leid, zu hören, wie es dir geht!
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und viel Weisheit, zu schauen, wie es weitergeht!
Möge ER dich sicher führen!
Liebe Grüße,
Suso

NOA hat gesagt…

kann ich gut brauchen, Suso, vor allem die Weisheit..
DANKE

Anonym hat gesagt…

Liebe Noa,
hab' Mut, den richtigen Weg zu finden.
Herzliche Grüße
Claudia

Flamingo hat gesagt…

Liebe Noa,
ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und dass G-tt dir immer den richtigen Weg aufzeigen möchte. Den Weg den du gehen sollst.

Monika hat gesagt…

Das ist da nicht schön.
Ich wünsche Dir eine Entscheidung, mit der Du zufrieden bist.

Liebe Grüße

Monika

PS: Es war auf jeden Fall mutig und ich finde auch richtig, etwas neues auszuprobieren.

NOA hat gesagt…

danke Euch!!!

Anonym hat gesagt…

Liebe Noa,
ich wünsche Dir von Herzen Kraft und Durchhaltevermögen für Deine jetzige Situation!!
Und viel Kraft und Weisheit für die jetzt anstehende Entscheidung!!

Du hast ja die Entscheidung aus Jerusalem wegzugehen nicht aus einer Laune heraus getroffen, sondern in der Hoffnung und mit der Aussicht, dass es besser wird!

Möge G-tt Dich segnen und Dich in Deiner jetzt anstehenden Entscheidung tragen!!!

Herzliche Grüße
Elly