Donnerstag, 15. Oktober 2015

Jerusalem - schwer verletzt

Ich bin fuer das Wochenende nach jerusalem gefahren, zu meinen Freunden. Die sonst so pulsierende Emek Refaim ist fast leer, im Cafe Aroma um 17h sitzen 3-5 Gaeste. Die Bedienung sagt mir, das sei die ganze Woche so, und statt um 24h schliessen sie um 22h. Im Anise (einem Bioladen) greift die Verkaeuferin zum Pfefferspray, der junge Mann der gerade reinkommt, sieht arabisch aus, doch als er neben mir steht und den Mund aufmacht, stellt sich heraus, er ist Jude. Die Verkaeuferin erzaehlt mir, sie habe furchtbare Angst, so allein im Laden. Und das, obwohl sie in Ashdod aufwuchs, und einiges bereits mit erlebt hat. "Viele Naechte habe ich nicht geschlafen, der Alarm, das Rennen von der dritten Etage hinunter in den Schutzraum, es zermuerbt, macht schreckhaft! "
Eine Kundin erzaehlt, sie schaue sich starndig auf der Strasse um, wer hinter ihr hergeht, und an der Bushaltestelle setzt sie sich in die Ecke,  "ich will nicht dass man mich schon von weitem warten sieht."
Die Stimmung ist angespannt und laut TV sind die Gassen der Altstadt leer, wenige gehen zur Kotel, der Westmauer.
Heute war ein Tag ohne schlimme Zwischenfaelle, bis jetzt, 21:48h. G-tt lob keine Horrornachrichten und Anschuldigungen aus den USA dass Istarl uebertriebene Gewalt ausuebt bei seinen Reaktionen. Fuer Morgen rufen die Moslems einen "Tag des Zorns" aus. Gebe G-tt dass es ihnen nicht gelingt ihre. Mordplaene umzusetzen.
Betet fuer Jerusalem, das schwer verletzt blutet und weint. Jerusalem, sowie ganz Israel ist schockiert und einsam, kaempft einen schwierigen Kampf, den die Welt nicht wahrnehmen will. Israel soll die andere Wange hinhalten, wenn es geschlagen wird, so wie es die Christen tun wuerden. Tun sie das wirklich?
Wie soll das kleine Israel eure Meinung nach auf Terroranschlaege "adaequat und angemessen" reagieren?
Wenn ihr herkommt schaut in unsere Gesichter! Wir wollen leben!


Kommentare:

Fetzenflug hat gesagt…

Liebe Noa,

ich möchte so gerne etwas Gutes tun, ich bin ja Wissenschafterin und kann gute Texte schreiben. Ich möchte gerne einen fundierten Text an eine israelische Zeitung schicken, in dem ich erzählen kann, dass ich verzeichne, dass das normale Volk in Postings (und hier in Mitteleuropa herrscht gerade die schlimmste Manipulation und Zensur, die ich jemals gesehen habe), sofern sie durchgehen, sich plötzlich an Israel erinnert und plötzlich positiv. Die normalen Menschen erkennen langsam die Gefahr.

Kannst Du mir vielleicht raten, an welche Zeitung ich einen Text senden könnte? Ich möchte eine Art Union Israel - und der Zustand hier jetzt fördern, ich möchte positive Signale nach Israel senden. Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, dass ich aus meiner Geschichte heraus die Vertreibung eures Volkes für nicht gerechtfertigt halte. Ich möchte viel lieber euch wieder hier haben als Millionen von Muslimen. Meine ganze Familie hat für euch gekämpft.

Vielleicht sind wir nicht die Mehrheit noch, aber ich denke, es wird für euch kippen hier.

Ich weiß nicht, ob es hilft, ich bin ja nur so ein kleines Sandkorn im Getriebe, aber erzähle es den anderen, dass auch hier draußen Menschen wie ich immer wieder nachschauen, was mit euch passiert. Und dass es Leute wie mich gibt, die zu euch stehen, die mitleiden und es nicht tolerieren.

Shalom.

Anonym hat gesagt…

*** Wie soll das kleine Israel eure Meinung nach auf Terroranschlaege "adaequat und angemessen" reagieren?
Wenn ihr herkommt schaut in unsere Gesichter! Wir wollen leben! ***

Auf Terroranschläge zu reagieren, ist leider eine Symptombehandlung, die zu nichts führt, wie die vergangenen Jahrzehnte zeigen. Gewalt kann niemals durch Gegengewalt gestoppt werden, die Ursachen von Gewalt müssen beseitigt werden und das heißt in diesem Fall: Eine gerechte Zwei-Staatenlösung mit Westjerusalem als israelischer und Ostjerusalem als palästinensischer Hauptstadt.....so bitter das auch sein mag - einen anderen Weg gibt es nicht.

Marianne

Anonym hat gesagt…

Das sehe ich ähnlich wie Marianne. Beide Völker sollten zunächst ihre jeweiligen Führungen abwählen, inkl. zahlreicher geistiger Brandstifter, ob das nun Rabbiner sind oder Imame.

Ich bete auch nicht für Jerusalem, das sind nur Steine, sondern für die Einwohner Jerusalems, egal ob Juden oder Palästinenser.

Hoffnung auf Besserung habe ich derzeit nicht. Beide Völker sind nicht mehr in der Lage, sich selbst aus dem Dreck zu ziehen. Hilfe müsste von außen kommen. Die USA will nicht mehr und Europa will/kann noch nicht.

Ronny

Flamingo hat gesagt…

Liebe Noa,
ich wünsche dir alles Gute und vorallem viel Durchhaltevermögen. Ich bete zu dem einen G-tt dass Israel diese Unruhen übersteht.

Flamingo hat gesagt…

@Marianne Gewalt kann niemals durch Gegengewalt gestoppt werden. Stimmt schon aber Israel wird sich schon noch wehren dürfen?

NOA hat gesagt…

israel ist allaes andere als ein Militaerregime... es ist eine Demokratie. wo es eine arabische Partei gibt, arabische knessetabgeordnete usw usw.. um uns herum hingegen, in anderen arabischen laendern, geht es anders zu.

Flamingo hat gesagt…

Klar ist Israel eine Demokratie. Es ist sogar die einzige im nahen Osten. Ich meine mit wehren dürfen dass Israel wie jedes andere Land auch auf Terroranschläge reagieren darf.

Was soll denn Israel nach euerer Meinung nach einem direkten Terroranschlag machen? Nichts? Ich bin zugegebener Weise nicht vor Ort jedoch frage ich mich was es bringen soll über eine "gerechte Zwei-Staatenlösung" nachzudenken wenn gerade Menschen mit Messern abgestochen werden usw.

Brigitte hat gesagt…

Liebe Noa, bitte verzweifle nicht. Bitte schreibe weiter deine Berichte über "the real life" im Heiligen Land. Ich find sie wichtig, sie widerspiegeln DEIN Erleben als Jemand, der dort wohnt und mit dem täglichen Wahnsinn und der täglichen Gefährdung des eigenen Lebens umgehen muss. Das ist etwas sehr Anderes, als sich weit weg im warmen Kämmerlein "friedensbewegte" Gedanken zu machen.
Ich werde in gut zwei Wochen wieder nach Israel fliegen. Das ist meine 23. Reise in 21 Jahren. Ganz am Anfang, nach Oslo, hatte ich iauch Hoffnungen in die Zwei- Staaten- Lösung gesetzt, und ich habe auch immer wieder auf beiden Seiten Menschen getroffen, die diese Hoffnung teilten. Aber dieser Traum ist spätestens seit der zweiten Intifada ausgeträumt. Man kann und wird auf beiden Seiten Ursachen hierfür finden. Aber darum geht es doch jetzt, ganz konkret in diesen Tagen nicht. Hier werden Menschen,Babys, Kinder,
Jugendliche, Frauen, Männer, Greise...... sorry für den Ausdruck: abgeschlachtet oder versucht abzuschlachten, NUR weil sie Juden sind.
Also ehrlich, ein Angebot zu Friedensverhandlungen kann ich darin wirklich nicht erkennen. Und dass der Staat seine Bürger schützt, ist seine verdammte Aufgabe. Auch ich werde diesen Schutz im November, wenn nötig, sehr gern annehmen und möchte nicht, dass der Soldat oder Polizist in einer gefährlichen Situation, in die ich geraten könnte, erst mit dem Angreifer über eine Friedenslösung diskutiert.