Freitag, 15. April 2016

Shabbat Shalom - ein Lagebericht und Lebenszeichen

Shabbat steht vor der Tuer. Menschen schreiben mir, dass sie mich und meine Posts vermissen. Daher moechte ich etwas posten, damit ihr wisst, dass es mich noch gibt. 
Ich kann kaum beschreiben, was alles passiert ist, seit November 2015. Mein Leben ist mal wieder auf den Kopf gestellt worden, mit Ereignissen, die ich nicht vorhergesehen habe. 
Meine EHS (Hypersensibilitaet gegenueber elektromagnetischen Feldern, bzw. alles was mit Mobilfunk, WIFI, schnurloser Technik und Mobilfunkantennen zusammenhaengt) hat sich dramatisch verschlechtert. Ich weiss um dieses Problem seit ca. 10 Jahren. Noch in Deutschland entdeckte ich diese Reaktion meines Koerpers auf Antennen, und das WIFI zuhause. Ich habe nie wieder WIFI benutzt, sondern nur Lan-verbindungen, habe vermieden, in Gebaeuden zu arbeiten oder zu wohnen, die einen Mobilfunkantenne auf dem Dach haben, und damit war alles relativ o.k. Lange Telefonate mit dem Smartphone oder damals dem normalen Handy, musste ich mir verkneifen, um nicht Schwindel oder Kopfschmerzen zu bekommen. 
Alles gut und schoen. 
Seit ich im September nach Raanana zog, um in Hod haSharon zu arbeiten, ging es mit mir in dieser Hinsicht "den Bach hinunter". 
Man verlangte von uns, staendig ueber das Smartphone mit Whats App upgedatet zu sein, und die Menge an eingehenden Whats app nachrichten war extrem. 
Als ich dann ploetzlich viel empfindlicher wurde auf alles in meiner Umgebung, was Mobilfunk war. Woche um Woche, ja Tag fuer Tag verschlechterte sich mein Zustand, nur wenn ich weit weg von jedem Handy, oder vom WIFI war, ging es mir gut. Ich wusste erst nicht so genau, was mit mir passiert, litt unter Herzschmerzen, Schwindel, Druck auf dem ganzen Koerper, Muskelschmerzen, enormen Kopfschmerzen und Denk-aussetzern, alles jedoch nur in Verbindung mit der Mobilfunktechnik. 
Ich wusste, dass es wenige Fachleute gibt, die sich mit diesem Thema auskenne, auch kaum Aerzte, die das Thema ernst nehmen, daher geriet ich ein wenig in Panik, wandte mich an einen Dr. der Biologie, Dr. Zamir Shalita, der mir bestaetigte, dass meine Symptome klassisch sind bei EHS. Sein Rat, ich solle mich vor allem schnurlosen und vor allem vor WIFI und Smartphones entfernt halten. 
G-tt sei dank machte er mir einen Kontakt zu einem anderen EHS Betroffenen, der die Hightechbranche verlassen musste und nun einen Internetauftritt hat, mit viel viel Info zum Thema "Elektromagnetische nicht ionisierte Strahlung und ihre Auswirkungen auf den Menschen".
Wen es interessiert, der kann HIER in die englische Version seiner Internetseite schauen)
Amir ist schwer betroffen, geht kaum aus dem Haus und - was soll ich euch sagen? Nach ein paar Monaten war oder bin ich auch in dieser Lage. 
Ich gehoere zu 800.000 EHS Betroffenen in Israel. 
Ich habe aufgrund dessen meine Arbeit und meine Wohnung verloren, und bin voruebergehend im Haus eines Rabbiners, das sich in Efrat befindet. Hier gibt es kein WIFI, und ich wohne in einem Zimmer (das einzige im ganzen Haus) was kaum oder gar keine Strahlung hat. Der Rabbi ist ein wahrer Engel, ich weiss nicht, was ich ohne ihn getan, oder wo ich ohne seine schnelle Hilfe gelandet waere. 
Das Haus ist gross und leer, der Rav ist nur alle paar Monate hier, wenn er am Shabbat in seiner Jeshiwa bleibt. 
Tagsueber befindet sich in der Kueche unten ein Ehepaar, was Sushi zubereitet und ausliefert. Nachts bin ich allein. 
Alle anderen Zimmer haben hoehere Strahlung und ich spuere es schmerzvoll. Aber dieses eine Zimmer ist frei, ich fuehle mich gut und konnte mich von der Belastung erholen, Ruhe finden. 

Es war ein solcher Schlag fuer mich, ich konnte es schwer verdauen und bin immer noch in der Phase des Verdauens, Verinnerlichen, was das fuer mein Leben nun bedeutet. 
Ich konnte wieder zurueck zu meiner alten Firma, jedoch nur mit 80%. , denn mehr schaffe ich einfach nicht. 
Hilfe und Unterstuetzung habe ich in der Hauptsache von einer Selbsthilfegruppe bei Facebook. Inzwischen kenne ich einige dieser Menschen auch persoenlich. 
Es sind auch Therapeuten in dieser Gruppe und eine Aerztin die sich mit dem Thema auskennt. In der Regel ist man aber allein mit dem Thema, es ist eine zu neues Phaenomen unserer heutigen Zeit, in den letzten Jahren haben sich Mobilfunk und WIFI-Technik unverhaeltnismaessig erhoeht, so dass es fuer einige Menschen schon zuviel an Belastung ist. 
Leider gehoere ich dazu. 
Und doch verstehe ich jetzt Amir und ein paar andere Betroffene, die mir sagten, dass dieses Phaenomen bei ihnen zu einer insgesamten Verbesserung ihrer Lebensqualitaet fuehrte, zu besserer Ernaehrung, mehr Bewusstsein fuer den Koerper und koerperliche Aktivitaeten. 
Was ich ganz deutlich sehe ist die grosse globale Veraenderung, die wir uns und unseren Kindern zumuten, oder besser gesagt, die uns zugemutet wird, egal ob wir es wollen oder nicht. 
Mein Zusammenbruch stand wirklich kurz bevor, ich habe mich immer nur knapp oben gehalten, mit Hilfe vieler Anrufe und Mails durch die neuen Kontakte. 
Niemand kann sich wohl so richtig vorstellen, dass ein Smartphone neben mir physische Schmerzen verursachen kann, sowie Schwindel, Uebelkeit und Herzdruck. 
Daher auch die - oft veraechtlichen - Reaktionen der Umwelt. Normal ist ein unglaeubiges Laecheln, ein lustig machen oder gar Abstempeln als Psychopath. 
Alle anderen Betroffenen kennen diese Reaktionen, ich musste erst lernen, wie man auf mich reagiert. Reaktionen wie diese fuegen dem Betroffenen unnoetigen weiteren Schmerz zu. Unverstaendnis und Spott fuehren zu mehr und mehr Isolation. 
Und so stehe ich nun hier, mit wenigen Freunden, die mir zur Seite stehen und auf mich Ruecksicht nehmen, denen ihr Smartphone nicht wichtiger ist als ein Gespraech mit mir und die ihr WIFI und schnurlose Geraete gern ausschalten damit ich mich bei ihnen in der Wohnung ohne schmerzen bewegen kann. 
Ich habe viel gelernt in den letzten Monaten, vor allem ueber meine Mitmenschen. Wo sind ihre Prioritaeten und wieviel kann man ihnen zumuten? Gehen sie aus dem Kontakt - wie ich es bei nicht wenigen erlebe - oder fragen sie nach, weil sie nicht verstehen. 
Dennoch - auch mit den schlechten Erfahrungen - gehe ich damit offen um, nicht viele Menschen tun das, denn sie fuerchten nicht nur um ihren Arbeitsplatz (mit Recht) sondern auch den Spott und das Ausgegrenzt werden. Ich werde nach Pessach in eine kleine Wohnung ziehen in Alon Shwut. Das Vermieterehepaar ist G-tt sei dank offen fuer das Thema und will selbst kein WIFI im Haus haben. 
Da die Wohnung unter dem Vermieterehepaar liegt, ist sie strategisch fuer mich sehr geeignet, da auch von der Strasse kaum Strahlung ankommt. Ich habe nun dreimal nachgemessen, und bin ganz ueberrascht, dass ich so ein grosses Glueck haben soll. Ich hoffe sehr, dass ich keine boesen Ueberraschungen erlebe. Bitte haltet mir die Daumen, oder besser gesagt, schickt ein kleines Gebet fuer mich zum Himmel. 
Alles in Allem hat HKB"H dennoch mich nicht zu tief fallen lassen, allein die Tatsache dass es hier im Haus des Rabbiners ein Zimmer gibt, wo ich ohne Beschwerden leben kann, ist ein kleines Wunder. 
Die Tatsache, dass ich mit dem neuen alten Arbeitgeber aushandeln konnte, nicht mehr Whats App zu benutzen, sondern nur ab und zu am Tag mein handy einzuschalten, um zu sehen, ob es Nachrichten vom Buero gibt, ist ebenfalls ein kleines Wunder fuer sich. 
Auch die Tatsache, dass ich Amir gefunden habe und seine Gruppe, viel lernen durfte dank seiner Hilfe, ist das naechste Wunder. 
Ich bin unendlich dankbar. Inzwischen kann ich das sagen. Es ging mir die letzten Monate noch nicht so ueber die Lippen, denn es war fuer mich ein zu grosser Schlag. 
Ich gehe ausser zur Arbeit (wieder Hausbesuche, die mir sehr sehr schwer fallen, wegen der Bedingungen auf der Strasse und in den Wohungen der Patienten) so gut wie nicht aus dem Haus. Kein Cafe, kein Kino, kein Theater, kein Shiur mit 40 oder 100 Menschen, was bedeuten wuerde 40 oder 100 eingeschaltete Smartphones. Der Supermarkt ist auch tabu, die Belastung ist zu hoch. Dafuer kleine Laeden und im Schnellschritt einkaufen. 
Umso wichtiger ist die Situation zuhause. wenn es zuhause ideale Bedingungen gibt, um ohne Beschwerden zu leben, ist das eine ganz grosse Sache. 
Ich versuche, wie viele andere Betroffene, mir langsam etwas aufzubauen, wo ich von zuhause aus arbeiten kann, z.B. mit Uebersetzungen. 
Eines Tages wuensche ich mir, ganz von zuhause aus arbeiten zu koennen, denn mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die Lage nicht viel besser werden. 
Woran ich arbeite, ist zumindest die Schwelle der Empfindlichkeit ein wenig heraufzusetzen, mit Hilfe von Akupunktur und Homoeopathie. 
Ich versuche, mich mit diesem neuen Leben zu arrangieren und lerne viel von den Menschen in der Gruppe, die teilweise sogar schlimmer dran sind als ich. Sie vermitteln mir die Botschaft, nicht aufzugeben, nicht zu verzweifeln, sondern dennoch positive Dinge zu sehen und zu geniessen, keinen Menschen hinterherzutrauern, die nicht zu mir stehen oder mich belaecheln, und viel fuer meinen Koerper und meinen Geist zu tun. 
Ich moechte euch noch hiermit mitteilen, dass ich einen neuen Blog angefangen habe, der zweisprachig ist. Die Blogadresse ist
http://ehsnoa.blogspot.co.il/
Und nun wuensche ich allen Lesern, die noch ab und zu in meinen Blog schauen, Shabbat Shalom. 
Bleibt mir gesund! Und versucht, in jeder Lage das Positive zu sehen, auch wenn es schwer faellt.

Kommentare:

Flamingo hat gesagt…

Hi Noa,
freut mich wieder etwas von dir zu lesen. Bin ja hier auch nicht so aktiv am kommentieren. Dass du deine Wohnung verloren hast tut mir leid. Aber ich bin froh dass das du ein Zimmer bei dem Rabbiner gefunden hast.

Ich hoffe dass mit der neuen Wohnung haut hin.

Anonym hat gesagt…

נועה, קראתי את הבלוג השני שלך וזאת היתה קריאה קשה. אולי בכל זאת יש לזה פן פסיכולוגי. יכול להיות שאת סובלת יותר כי זה מטריד אותך מאוד. אם פחות תחשבי על זה אולי תסבלי פחות. תהיה חזקה

NOA hat gesagt…

הדבר המוזר, שזה לא הטריד אותי. אהבתי לשלוח וואטס אפ לבנות, תמונות, מסר קצר, עשיתי את הדברים בכייף, אפילו באוטובוס אני טלפנתי, וסה"כ בדיעבד אני הגזמתי. ואני סבורה, שהגוף באיזשהו שלב לא יכול לספוג יותר. די. בינתים אני גם מכירה את המחקרים, שכן אומרים שקרינה אלקטרומגנטי בלתי מייננת מזיק לגוף ומשפיע על תהליכים ביולוגים, מה שחברות הסלולר לא רוצה שאנו נדע מזה. אבל צריך להכנס לתחום ואני לא רוצה עכשיו להרבות. תעשי חיפוש בעצמך, ואם את צריכה חומר, אשמח לשלוח. בכל מקרה חג פסח שמח וכשר

Anonym hat gesagt…

אולי זאת הבדידות שמכריעה אותך. לא יודעת איך לומר את זה בזהירות ובעדינות כי אני יודעת כמה העליה חשובה לך אבל אולי בכל זאת תחשבי על לחזור לבנותיך בגרמניה. כאשר אמרת שחברים מתרחקים נשבר לי הלב. לא זאת לא ״ציונות״, אם את כל כך סובלת. אפילו יעקב ירד מצרימה לשבור שבר. אני בעד לחזור לגרמניה כמה שלאדם ציוני ודתי כמוך קשה לשמוע את זה. לדעתי יש פה פן פסיכולוגי. הגוף אומר לך משהו שאת לא רוצה לשמוע.

NOA hat gesagt…

לצערי גם בגרמניה, כמו בכמעט כל העולם המצב לא יותר טוב. בדקתי עם רגישים בגרמניה והם מאוד סובלים. בטח שאת תוכלי לדעת מה שתרצי על התופעה. כנראה שאולי את לא רוצה לשמוע, מה שיש לרגישים לומר. כי זה מאוד מאיים על כולכם. זה לא רק שאנחנו "חולים" ואתם בריאים, אלא שאנחנו מרגישים, כמה הסביבה הורסת אותנו. אבל אני לא רוצה לדבר עם אשנים על כך, שהם מכחישים. תמשיכי בדרכך, ואני בדרכי. העיקר, שאנו בטוחים שזו הדרך שלנו.