Sonntag, 24. April 2016

Zwischen HIER und DORT

Als alles den Bach hinunter ging, und meine Symptome staerker und staerker wurden, fast taeglich, ich schliesslich Arbeit und Wohnung quasi verlor aufgrund der Schwierigkeiten, gab es einen Rabbiner, der eine Jeshiwa in Efrat hat, "Machanaijm", den ich durch die Shiurim ueber Rabbi Nachman miBreslav kannte. Als Nisim ihm von meinen Problemen erzaehlte, und ihm sagte, ich koenne nicht mehr zum Shiur kommen, da ich 20 Smartphones um mich herum in einem kleinen Raum nicht aushalten kann ohne starke Kopfschmerzen, Schwindel, Druck auf dem Herzen usw., zoegerte er keinen Augenblick und half. Er bat alle die zum Shiur kamen, ihre Handys auszustellen, oder auf Flugmodus, liess das WIFI im Gebaeude von Nisim ausschalten, und das nur wegen mir. Ich konnte also wieder zum Shiur. Das war wichtig, da ich sonst nirgendwo hin kann. (Cafe, Theater, Kino, alles tabu fuer mich). Als ich meine Arbeit verlor aufgrund eines Streites ueber Whats app und Handys waehrend der Teamsitzung, musste ich dem Vermieter mitteilen, dass ich nicht mehr im Voraus 3 Monate meine Miete zahlen kann. Dann stellte ich aber fest, dass ich in der Wohnung auch nicht bleiben kann, zu hoch waren die Werte und ich schlief keine Nacht. 

Der Rav machte mir ein unglaubliches Angebot, als ich schon dachte, ich muesse zurueckkehren nach Deutschland. Er hat ein Haus in Efrat und dieses steht leer, 8 Raeume (ohne WIFI), unten im Haus in der Kueche bereitet ein amerikanisches Ehepaar Sushi zu und liefert dieses aus. Ich duerfe so lange ich will in seinem Haus sein, ohne Miete zu zahlen. Ich war baff vor Ruehrung. 

Ein Zimmer im ganzen Haus, in der oberen Etage fand ich, wo ich ohne Probleme sein kann. Dort bin ich seit sich alles ueberschlug. Und ich bin zur Ruhe gekommen, mache viel Yoga und Meditation, bin in engem Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe in Facebook, die mich auch gerettet hat mit Tipps, Ratschlaegen und Hilfe am Telefon. Viele von ihnen sind schlechter dran als ich, haben auch zuhause schlechte Bedingungen, sind teilweise Therapeuten oder Rechtsanwaelte, und der Mann der mir am meisten half und mich viel lehrte ueber Frequenzen und Verhalten in einer Belastungssituation, Amir, ist aus der High tech branche. Schon in sehr jungem Alter konnte er nicht mehr dort arbeiten aufgrund der EHS. Er hat diese Internetseite mit sehr viel Infos. 

Ich kam ein wenig zur Ruhe und habe mir ehrlich gesagt nicht ausgemalt, eine Wohnung fuer mich zu finden. Und nun ist das Unglaubliche geschehen, eine Wohnung in Alon Shwut, ein privates Haus, Vermieter ohne WIFI (wollen auch keines anschaffen und haben hohes Bewusstsein fuer Umweltbelastungen) , unter dem Vermieter eine kleine Wohnung, ein paar Treppen fuehren hinunter, ideal fuer mich. Dorthin werde ich direkt nach Pessach ziehen. Ich freue mich sehr auf wieder ein wenig mehr Privatsphaere, denn die Sushi-Leute ruecken jeden Morgen mit ihren Kindern an und es geht sehr laut zu im Haus. 

Inzwischen bin ich auch wieder zu meiner alten Firma zurueck gekehrt, vom letzten Jahr, mit einer Stelle 80%. Mehr kann ich mir zurzeit nicht vorstellen, es ist schwer den Tag zu ueberstehen ohne groessere Probleme. Nach wie vor mache ich Hausbesuche, und man mag es kaum glauben, aber alte Leute haben auch oft Smartphones, oder aber WIFI im Haus fuer die Philippininnen, so wie ein DECT-schnurloses Telefon, das starke Strahlung von sich gibt, 24 Std. jede Sekunde, auch wenn man nicht spricht. 

Wenn ich ins Buero muss, ist das auch eine kleine Hoelle, dort mitten in der Stadt sind viele Antennen, und man ist umringt von Menschen die telefonieren mit ihren Smartphones. Ich darf mit Absprache der Chefin meine Berichte gegen Nachmittag eintippen und muss nicht oft anwesend sein dort. 

Ich durfte ebenfalls aus der Whats-app-gruppe der Arbeit aussteigen, und bekomme nun normale SMS auf mein Handy, falls es Wichtiges gibt. Die meiste Zeit des Tages habe ich das Handy aus, denn im Auto, wenn es klingelt - ist die Strahlung ebenfalls so stark dass der Kopf klingelt. (inzwischen habe ich auch ein kleines Messgeraet und kann alle meine Empfindungen nachmessen, um zu wissen, ob ich richtig liege.. mit diesem finde ich auch einigermassen geeignete Orte, um eine Mittagspause zu machen. Meist zwischen hohen Gebaeuden auf irgendeiner Treppe, denn Antennen sind ueberall.)

Ich moechte im Gush bleiben, da dort ueberall nur kleinere Haeuser sind, ideal fuer mich, und mehr Ruhe. Und vor allem - niedrigere Mieten, die Mieten in Jerusalem kann ich in der Gegend wo ich vorwiegend wohnte, nicht mehr bezahlen. Ich fuehle mich auch wohl hier, muss ich sagen. Und bald geht es nach Alon Shwut, wo ich den Rav Israel Rozen kenne und seine Frau, sowie die Tochter meiner Freundin, die dort wohnt und wo ich am Sederabend war. Ich bin sehr dankbar, dass G-tt mich wieder einmal mit Hilfe von lieben Menschen gerettet hat und ich nicht allzu tief gefallen bin. Obwohl dieser Fall schon sehr beaengstigend war. 

Ich wuensche allen ein gutes friedliches Pessachfest und moege jeder aus seinem eigenen persoenlichen Aegypten ausziehen koennen, aus der eigenen Sklaverei. 

Jeder wird selbst wissen, inwiefern er versklavt ist. Suechte, Abhaengigkeiten oder ungesunde Beziehungen.. 

Ich sehe jetzt, nach fast einem halben Jahr mit grossen Schwierigkeiten, auch das, was mir passiert ist als Befreiung aus einer Sklaverei, der Versklavung durch das Smartphone. Ich habe es durch die Arbeit in Hod Hasharon extrem nutzen muessen, sogar ein Arbeitshandy dazu bekommen, aber ich sehe auch, dass ich privat fast staendig am Smartphone war, Whats app nachrichten schickte und bekam, Fotos, Facebook, im Internet etwas suchen, ich war einfach immer - ausser Shabbat - mit diesem Ding beschaeftigt. Vielleicht hat G-tt mir diesen Schlag geschickt, um mich von einer Sucht zu befreien, denn evtl. haette ich es auf anderem Wege nicht begriffen und nicht geschafft. Schmerzliche Lehre - aber wirksam. 

Und nun, da ich mit vielen Menschen spreche und selbst Tipps geben kann, wie man besser und gesunder mit dem Smartphone umgeht, kann ich noch einen Sinn darin sehen. Eine neue Aufgabe. 

Mit vielen Menschen aus unserer Gruppe, sowie besorgten Eltern, kaempfen wir gegen die flaechendeckende Einfuehrung von WIFI an Kindergaerten und Grundschulen. Der Kampf ist noch nicht ganz verloren, obwohl es heisst, gegen voellig ueberhoehte Grenzwerte, sowie eine starke Mobilfunklobby anzukaempfen. 

Es gibt also doch noch etwas fuer mich zu tun in diesem Land, und nebenbei kann ich dem einen oder anderen in meinem Umfeld helfen, das Heim gesunder zu gestalten, mit Tipps und Hinweisen. Das gibt mir Auftrieb und laesst die Freude wieder in mein Herz zurueck kommen. Sie war eine ganze Zeit lang auf Urlaub. 

Pessach Sameach an Alle, die es feiern.

Kommentare:

Juna Grossmann hat gesagt…

Liebe Noa,

nur soviel: Ich freue mich so, dass es wieder eine Wendung gibt, eine Wendung zum Positiven, wie ich hoffe!

Lass Dich umarmen.

Deine Juna

NOA hat gesagt…

liebste Juna
danke fuer die guten Wuensche. ich hoffe das auch sehr sehr. ich umarme dich auch ganz fest und wuensche Moadim leSimcha.. Chag Sameach.
Noa

Anonym hat gesagt…

Die Symtome die du beschreibst kenne ich gut. Sie begannen in der Prä-,begleiteten mich durch die Peri- und sind auch hin und wieder noch in der Postmenopause (nennt sich zwar so, aber von Post kann keine Rede sein, diese Phase dauert ca. bis 70, erst dann beginnt das Senium) vorhanden. Fatal ist es jedoch, wenn Laien mit "Messgeräten" hantiern u.interpretieren. Das führt unweigerlich in eine Paranoia.
Du hast ein neues "Wir" entdeckt,eine neue Gruppe (Opfer),einen neuen Meister("ER"!). Kann man sein "Selbst" in anderen finden? Durch andere?
Man kann seine Realität ändern aber nicht seine Identität. Israel u. Judentum ein Versuch von vielen. "Wir" sagen können, "Volk" sagen können und sich nicht als "Täter" fühlen scheint verlockend(?). "Wir" und "Er" deine zwei magischen Wörter. Sei endlich ehrlich zu dir selbst und akzeptiere dich als das was du bist. Geh an das Grab DEINER Ahnen dort ist der Schlüssel zu DIR!.

NOA hat gesagt…

giur machen, um vom "Taetervolk" zum "Opfervolk" zu gelangen, zu fliehen... funktioniert nicht und man kann andere Dinge tun, wenn man meint, etwas "Wiedergutmachen" zu muessen, obwohl wir ja noch gar nicht geboren waren, in der Nazizeit. aber aus diesem grunde giur machen, ist voelliger Unsinn. das habe ich immer gesagt. jeder hat aber sowieso seine sehr ureigenen Gruende, warum er oder sie Giur machen moechte. die Vergangenheit kann man damit nicht löschen. Juden sind auch nicht nur Opfer, sondern Menschen wie alle anderen auch. Gute und schlechte, schlaue und auch dumme.. im juedischen Volk gibt es alles. zum JUdentum zu gehören ist keine neue Gruppe oder die Eintrittskarte in einen Club.