Donnerstag, 9. Juni 2016

Aus naechster Distanz in den Kopf geschossen - der Terror in Tel Aviv kannte kein Erbarmen

Der Terroranschlag gestern abend um kurz nach 21h kannte kein Erbarmen. Es war ein grausamer Anschlag und das Land haelt wieder mal den Atem an. 

Der Tatort: Tel Aviv, Sarona Markt, bei der Moshava Germanit, eine Vergnuegungsmeile mit Cafes, Restaurants usw. Viele Menschen in der sommerlichen Atmosphaere unterwegs. Einige sitzen im Cafe Max Brenner, unter anderem wird dort ein Kindergeburtstag gefeiert. 

Als um kurz nach 21h zwei Maenner fein in Anzuege gekleidet das Cafe betreten, wundern sich manche Gaeste, denn "Geschaeftsmaenner" dieser Art sind dort nicht so oft zu sehen. Die Maenner tragen Aktenkoffer, setzen sich an einen Tisch, bestellen etwas zu essen. Um 21:23 stehen beide auf, packen ihre Waffen aus und schiessen - zuerst schiessen sie einem Mann aus einem halben Meter Entfernung in den Kopf - zweimal! Der Mann, er lebt noch, und ist die gesamte Zeit ueber wie durch ein Wunder bei Bewusstsein geblieben. Er wurde in der Nacht operiert und ist auf dem Wege der Besserung. Das ist das Wunder dieser Terrornacht. 

Die Maenner schiessen, gehen von Tisch zu Tisch und wollen scheinbar so viele Opfer wie moeglich sehen. Menschen rasen in Panik aus dem Cafe, nehmen Zuflucht im Cafe nebenan, die Mitarbeiter dort lotsen die Fliehenden herein, um sich zu verstecken. Eltern fliehen mit ihren Kindern auf dem Arm aus dem Restaurant, so sieht man es auf den Ueberwachungskameras. Panik! Einer der Taeter wirft seine Waffe in die Ecke, flieht, gemeinsam mit den anderen Fliehenden. Auf dem Weg trifft er auf ein Ehepaar, welches im benachbaren Cafe sass (ein Polizist ausser Dienst mit seiner Ehefrau, die die Schuesse hoerten und nach Hause rennen.) Der Terrorist gesellt sich zum Ehepaar, sie halten ihn fuer einen der Fliehenden und nachdem er um ein Glas Wasser bittet, nehmen sie ihn zu sich ins Haus herein. Der Ehemann laesst seine Frau und deren Mutter mit dem Terroristen allein, und begibt sich um Tatort. Dort sieht er den zweiten Terroristen, der exakt wie der 1. gekleidet ist, in feinem Anzug. In diesem Moment wird ihm klar, wer da bei ihm zuhause sitzt, schnell laeuft er nach Hause und stellt den Terroristen mit seiner Waffe, bis seine Kollegen kommen und ihn festnehmen. 

Der andere Taeter ist verletzt und wird im Ichilov-Hospital behandelt. Es sind 4 Tote, grausam erschossen, im Alter von 30 bis 58 Jahren. Die Taeter kamen aus der Naehe von Hebron. Waren illegal auf israelischem Boden. Wie sie dorthin kamen, und vor allem, wie sie mit diesen Waffen ins Cafe kommen konnten, ist nicht klar. Es scheint noch einen Helfer gegeben zu haben, der mit in die Vorbereitungen des Terroranschlages einbezogen war. 

Die Hamas hat heute nacht Bonbons und Suessigkeiten verteilt und mit einem Feuerwerk die Tat begruesst. 

Aus dem Ausland gab es leichte Kritik an der Art, wie hier mit Terror umgegangen wird - denn heute morgen bereits oeffneten die Cafes im Sarona-Viertel wieder ihre Tueren - Menschen kamen um sich demonstrativ dem Terror zu widersetzen und die Geschaefte moralisch zu unterstuetzen. So geht man hier mit Terror um. Der Alltag muss weitergehen, das Leben geht weiter. Der Terror wird uns nicht in die Knie zwingen. Das kann man sicher erst verstehen, wenn der Terror bedauerlicherweise fast zum Alltag und dem normalen Leben gehoert. 

Mein Mitgefuehl ist mit den Opfern und ihren Familien. Den Verletzten wuensche ich dass sie schnell wieder voellig gesund werden und den Schock irgendwie verarbeiten koennen. 

יהי זכרם ברוך

Kommentare:

Flamingo hat gesagt…

Furchtbar... :(

Anonym hat gesagt…

Seit langem bin ich mal wieder hier. Schön das du wieder schreibst. Grausam das es sich wieder um Anschläge dreht...das sind merkwürdige Zeiten. Wünsche allen Angehörigen und Denen die Anschläge gesehen haben weltweit genug Kraft das zu verarbeiten. Gerade heute freue ich mich auf Schabbat...auf die Challot...auf das Essen...auf die kleinen Dinge...das meine Kinder Gesund sind...auf das Leben freue ich mich...auf das es bessere Zeiten geben wird. Gut Shabbes aus Norddeutschland